Gaswagen
Aussage des Walter Rauff in Santiago de Chile
Botschaft
der
Bundesrepublik Deutschland
Santiago Santiago, den 28.Juni 1972
RK Sk 1600
Vernehmungsniederschrift
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Anwesend LR I Dr. XXXXXXXXX zu allen konsularischen
Befugnissen ermächtigt, XXXXXXXXXX als Protokollfüh-
rerin
in der gerichtlichen Voruntersuchung gegen
Bruno Streckenbach
wegen Verdacht des Mordes (NSG)
sind erschienen
auf Ersuchen des Landgerichtes Hamburg, Untersuchungsrichter 4
- Az.: (54) 3/70 - vom 1. März 1972
1.) Landgerichtsrat XXXXX, Untersuchungsrichter 4 beim
Landgericht Hamburg
2.) Staatsanwalt XXXXXXXXX, Staatsanwaltschaft beim Landgericht
Hamburg
3.) Rechtsanwalt Dr. XXXXXXXXX, als Verteidiger des
Angeschuldigten
4.) der Zeuge Walter Rauff.
Der Zeuge wurde zur Wahrheit ermahnt, auf die Folgen einer
unrichtigen Aussage hingewiesen und wie folgt vernommen:
1. Zur Person:
Ich heisse Walther Rauff, 66 Jahre alt, wohnhaft in
XXXXXXXXXXXXXX, XXXXXXXXXXXXXX, Witwer, Industrieller,
deutscher Staatsangehöriger. Mit dem Angeschuldigten nicht
verwandt und nicht verschwägert.
über sein Auskunftsverweigerungsrecht nach [Paragraph] 55 StPO
belehrt, aussagebereit.
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2. Zur Sache:
Von 1924 bis Ende 1937 war ich bei der Reichsmarine. Ich war
dort auf eigenen Antrag ausgeschieden und mit allen Ehren
entlassen worden. "Mit allen Ehren" bedeutet, dass ich das
Recht zum Tragen der Uniform sowie Pensionsansprüche hatte.
Ich suchte nunmehr eine neue, meiner Vorbildung entsprechende
Stellung. Ich hatte während meiner Zeit bei der Reichsmarine
den SA-Obergruppenführer von Jagow kennen gelernt, der als
Reserveoffizier bei mir gewesen war. Er rief mich eines Tages
an und teilte mir mit, er habe über eine Stellung für mich
mit Heydrich gesprochen. Ich sollte mich im Geheimen Staats-
polizeiamt bei Dr. Best vorstellen. Dr. Best sagte mir bei
dieser Vorstellung, dass ich am 7.1.1938 im SD-Hauptamt meine
Tätigkeit antreten solle. Es war zunächst vorgesehen, dass ich
im Laufe von 6 Monaten alle Abteilungen der Sicherheitspolizei,
des SD und der Kripo informationshalber durchlaufen sollte.
Ich begann mienen Rundlauf bei Schellenberg im SD-Hauptamt.
Nach einigen Wochen wurde jedoch der ursprüngliche Plan
fallen gelassen. Ich wurde mit der Organisation der personellen
und materiellen MOB-Vorbereitungen für SD und Sicherheitspoli-
zei beauftragt. Ich sollte also prüfen, welche Angehörigen
des SD und der Sicherheitspolizei im Mobilmachungsfalls unbe-
dingt in ihren Stellungen bleiben mu"sten.
In diesem Tätigkeitsbereich verblieb ich, bis es zur Zusammen-
legung von SD und Sicherheitspolizei zum Reichssicherheits-
hauptamt kam. Das muss nach meiner Erinnerung etwa im Zeit-
punkt des Kriegsbeginns mit Polen gewesen sein.
Den Polenfeldzug habe ich von Berlin aus erlebt. Während des
Norwegen-Feldzuges war ich in Oslo, um dort die Nachrichten-
verbindungen mit Deutschland zu organisieren. Heydrich hatte
mir gesagt, ich könne anschliessend für einige Zeit zur
Marine zurückkehren. Von Anfang 1940 an war ich dann für min-
destens ein Jahr wieder bei der Marine, und zwar im Minen-
suchdienst im Kanal. In den ersten Monaten des Jahres
1941 wurde ich nach Berlin zurückberufen. Wie man mir erzählte,
hatte Heydrich mich allein bei Raeder angefordert.
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Ich wurde nun im RSHA Leiter der Amtsgruppe II D. Innerhalb
dieser Amtsgruppe wurden alle technischen Angelegenheiten
geregelt. Die Gruppe II D (Technik) umfasste 6 oder 7 Referate.
Die Stellung als Gruppenleiter hatte ich bis einige Monate
nach Heydrichs Tod inne. Anschliessend wurde ich zu einem
Einsatz in Afrika bei Rommel abkommandiert.
Als Heydrich als Protektor nach Prag gegangen war, habe ich
ihn dorthin begleitet, um das dortige technische
Nachrichtenwesen zu organisieren. Ich bin in dieser Zeit
häufig zwischen Berlin und Prag hin und her gependelt. Als
das Attentat erfolgte, war ich gerade in Berlin und stand vor
einer Reise nach Rom. Als ich von der Adjutantur Heydrichs
erfuhr, dass keine Lebensgefahr bestehe, reiste ich nach Rom
ab. nach meiner Erinnerung bin ich nach dem Tode Heydrichs
noch etwa 3 -4 Monate im RSHA geblieben. Ich glaube, Kalten-
brunner war schon zum Nachfolger Heydrichs ernannt, als ich
nach Afrika ging. Wenn mir vorgehalten wird, dass Kaltenbrunner
sein Amt erst Anfang 1943 angetreten hat und dass Heydrich
am 4.Juni 1942 gestorben ist, dann möchte ich allerdings sagen,
dass ich im Zeitpunkt des Amtsantritts von Kaltenburnner schon
nach Afrika gegangen war.
Wenn ich nach dem Amtschef II gefragt werde, so erinnere ich
mich an einen kleinen Verwaltungsbeamten, dessen Name mir im
Moment nicht geläufig ist. Wenn mir der Name Dr.Siegert genannt
wird, so kann ich nur sagen, dass ich ihn gemeint habe. Der
erste Amtschef II war allerdings Dr. Best. Jedenfalls war es
meiner Erinnerung nach so, dass Dr. Best seit der Gründung
des RSHA Amtschef II gewesen ist, ohne dass ich heute noch
sagen könnte, wann er das RSHA verlassen hat.
Chef des Amtes I (Personal) war nach meiner Erinnerung seit
der Zusammenlegung der Sicherheitspolizei und des SD zum
RSHA Streckenbach. Wenn ich danach gefragt werde, ob nach der
Gründung des RSHA das ursprüngliche Amt I in die neuen ämter
I und II aufgeteilt worden ist, so habe ich an einen derartigen
Vorgang keine Erinnerung.
Wenn mir weiter der Name Dr.Nockemann vorgehalten wird, so
war auch er, wenn ich mich recht erinnere, Amtschef II.
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Von Dr.Nockemann erinnere ich, dass er einen Autounfall hatte,
bei dem seine Frau und sein Fahrer ums Leben kamen. Dr.Nock-
mann ist dann aus dem Amt II ausgeschieden und später in
Russland gefallen. Ich kann jedoch nicht sagen, wann der Un-
fall war und wann er das Amt II verlassen hat. Ich würde
jetzt meinen, dass Dr.Siegert der Nachfolger Dr.Nockemanns
gewesen ist, kann das jedoch mit Sicherheit nicht behaupten.
Wie lange Streckenbach Amtschef I gewesen ist, weiss ich
ebenfalls nicht. Ich kann nicht einmal sagen, ob er überhaupt
aus dem RSHA ausgeschieden ist. Ebensowenig kann ich mit
Sicherheit sagen, ob er noch Amtschef war, als ich das RSHA
verliess und nach Afrika ging. Ein Nachfolger für Strecken-
bach ist mir nicht bekannt. Auch wenn mir die Namen Schulz
und Ehrlinger vorgehalten werden, so kann ich mich an sie
als Nachfolger Streckenbachs nith erinnern, obwohl mir
Ehrlinger als Person durchaus bekannt ist.
Ich möchte noch klarstellen, dass ich bei Rommel nur kurze
Zeit gewesen bin und schon vor der Schlacht bei El
Alamein nach Berlin zurückkehrte. Mein Aufenthalt in Berlin
war jedoch ebenfalls nur von kurzer Dauer und ich kam an-
schliessend mit meinen Leuten nach Tunis. Schon seit meinem
ersten Weggang nach Afrika habe ich mich um die Vorgänge
in Berlin, insbesondere im RSHA, überhaupt nicht mehr gekümmert.
Mir ist bekannt, dass das Verhältnis zwischen Best und Hey-
drich sehr gespannt war. Ich weiss, dass Best aus dem RSHA
weggehen wollte, weil er mi Heydrich nicht zurecht kam.
Wenn ich nach dem Verhältnis zwischen Heydrich und Strecken-
bach gefragt werde, so glaube ich, dass Streckenbach gegen-
über Heydrich sehr reserviert war und durchaus nicht alle
Massnahmen Heydrichs gebilligt hat. Soweit ich es allerdings
beurteilen kann, war das Verhältnis zwischen Best und Heydrich
gespannter als das zwischen Streckenbach und Heydrich. Dazu
musss ich allerdings noch sagen, dass ich mit Dr. Best wesent-
lich mehr als mit Streckenbach zu tun gehabt habe. Ferner
möchte ich auf entsprechende Frage betonen, dass ich von
Heydrich über sein Verhältnis zu Best und Streckenbach nichts
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erfahren habe. Wenngleich nämlich Heydrich ebenfalls Angehö-
riger der Marine gewesen war, so hatte ich doch keinen persön-
lichen Kontakt mit ihm gehabt. Meine erste persönliche Begeg-
nung mit Heydrich hatte ich erst, nachdem ich schon mehr als
ein halbes Jahr im SD-Hauptamt war.
Nach und nach habe ich mitbekommen, dass es im RSHA viele
Intrigenn gab. Ich weiss nicht, welche Vorberufe Streckenbach
gehabt hat, für mich ging er im RSHA sehr gerade und korrekt
seinen Weg, und das musste schon dazu führen, einen Mann wie
Heydrich zu schockieren. Als Hauptquelle meiner Erfahrungen
in dieser Hinsicht kann ich Dr. Plötz nennnen, mit dem ich
recht gut befreundet war. Ausserdem habe ich einiges von
Kluckhon erfahren. Ich kann zwar nicht sage, auf welchen Ge-
bieten die von mir erwähnten Massnahmen lagen, die Strecken-
bach bei Heydrich nicht gebilligt hat, ich kann aber fest
behaupten, dass es zwischen ihm und Heydrich Differenzen ge-
geben hat.
über das Verhältnis zwischen Streckenbach und Himmler habe ich
keine Ahnung.
Ob Streckenbach irgendwie in die Verwaltung des Amtes II
mit eingeschaltet war, weiss ich zwar nicht, ich glaube es
aber nicht. Nach meiner Erinnnerung war Dr. Siegert vollwertiger
Amtschef und nicht nur vertretungsweise mit der Führung des
Amtes II beauftragt.
Auch nachdem mir das Schreiben Heydrichs vom 20.6.1941 (Blatt
6802) vorgehalten worden ist, kann ich nur sagen, dass ich
mich nicht daran erinnern kann, dieses Schreiben jemals ge-
sehen zu haben. Auch nachdem ich vom Inhalt des Schreibens
Kenntnis genommen habe, ist mir nicht erinnerlich, dass Dr.
Siegert das Amt II nur vertretungsweise geführt hätte.
Von dem Russlandfeldzug habe ich offiziell erst am Vorabend
des Beginns dieses Feldzuges erfahren. An diesem Abend erfuhr
ich im RSHA oder an einem anderen Ort, der mir nicht erinner-
lich ist von Heydrich, dass am nächsten Morgen der Feldzug
gegen Russland beginnen werde. Bis zu dieser Mitteilung hatte
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ich keinerlei konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ein Krieg
gegen Russland bevorstehe und wann ein solcher Feldzug be-
ginnnen könnte.
Ich kann mich heute auch nicht mehr daran erinnnern, dass für
den Russlandfeldzug Einsatzgruppen und Kommandos in Pretzsch,
Düben und Bad Schmiedeberg aufgestellt worden sind. Mir ist
heute lediglich der Ort Bad Schmiedeberg im Zusammenhang mit
der Aufstellung von Einsatzgruppen irgendwie in der Erinnerung.
Seinerzeit muss mir allerdings bekannt gewesen sein, dass
die Einsatzgruppen aufgestellt wurden, denn ich war für deren
Ausrüstung verantwortlich. Ich werde dann jedoch nur geahnt
aber nicht gewusst haben, wo das Ziel des kommenden Einsatzes
liegen würde. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken,
dass die Einsatzgruppen nicht mit Winterbekleidung ausge-
rüstet wurden, wie es für einen Einsatz für Russland erforder-
lich gewesen wäre.
Für die Beschaffung der Kraftfahrzeuge der Sicherheistspolizei
war der mir unterstellte Pradel zuständig. Pradel, der aus
der Schutzpolizei hervorgegangen war, mochte mich nicth, und
stand in einem gewissen Gegensatz zu mir. Ob ich mit ihm nach
meiner Rückkehr von der Marine eine Auseinandersetzung wegen
der Beschaffung von Kraftfahrzeugen für einen bevorstehenden
Einsatz gehabt habe, halte ich zwar für möglich, ohne mich je-
doch konkret daran erinnern zu können. Ich habe auch keine
Erinnerung daran, in diesem Zusammenhang eine Besprechung mit
Streckenbach gehabt zu haben.
Mir sind die entsprechenden Angaben Pradels aus seiner Ver-
nehmung vom 30.3 1971 (Blatt 6965 f, 6969) vorgehalten worden.
Ich kann dazu nur folgendes sagen : der von Pradel erwähnte
Major Puschke ist mir nicht bekannt, ich habe stets auf höhe-
rer Ebene, nämlich mit dem General Fellgiebel betreffend
Nachrichtenmaterial verhandelt. Bezüglich Kraftfahrzeuge habe
ich auf verglecibarer Ebene im OKW verhandelt, ohne dass ich
insoweit noch einen Namen angeben könnte. Nicht richtig ist,
dass ich nach den Angaben Pradels ersta nach dem Bginn des
Russlandfeldzuges von der Marine ins Amt zurückgekehrt sein
soll. Auch ist mir nach wie vor nicht erinnerlich, dass ich
wqegen der Kraftfahrzeuge mit Streckenbach gesprochen haben
soll. ich kann zwar nicht sagen, ob Streckenbach bei der
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Vorbereitung des kommenden Einsatzes über rein personal-
mässige Angelegenheiten hinaus tätig geworden ist, weiss ich
zwar nicht, glaube es aber auch nicht, jedenfalls ist mir
nicht erinnerlich, dass er in irgende einer Weise auf dem Ge-
biet der materialmässigen Ausrüstung tätig geworden ist, für
die das Amt II zuständig war. Auch kann ich mich nicht daran
erinnern, an einer von Streckenbach geleiteten Besprechung
teilgenommen zu haben, auf der Fragen des kommenden Einsatzes
erörtert worden wären.
Wenn ich gefragt werde, wie die Vertretung für Heydrich geregelt
war, so ist es nach meiner Erinnerung anfangs so gewesen, dass
Dr. Best Heydrich vertreten hat. Ich kann aber nicht sagen,
ob diese Regelung bis zum Ausscheiden von Dr. Best aus dem RSHA
beibehalten worden ist. In diesem Zusammenhagn möchte ich be-
merken, dass Heydrich ein überaus misstrauischer Mensch war,
der es nicht mochte, wenn jemand anderes auf seinem Stuhl sass
und für ihn regierte.
Wie de Frage der Vertretung für Heydrich geregelt war, als
ich Anfang 1941 in das RSHA zurückkam, weiss ich nicht. Ich
kann nur annehmen, dass irgend jemand ihn während seiner Ab-
wesenheit vertreten hat, ohne dass ich sagen könnte,
wer das gewesen sein könnte. Auch für die Zeit seiner Tätigkeit
als Protektor in Prag und für die Zeit nach seinem Tod ist mir
eine Vertretungsregelung nicht bekannt. Ich kann nur annehmen,
dass während dieser Zeit die Amtschefs Himmler direkt unter-
stellt waren. Im übrigen hätte sich beispielsweise ein Mann
wie Müller niemals Streckenbach oder einem anderen ihm gleich-
gestellten Amtschef unterstellt.
Meines Wissens gabe se verschiedene Anwärter für die Nachfolge
Heydrichs, ohne dass ich insoweit Namen nennen könnte. Ob
Streckenbach als Nachfolger im Gespräch war, weiss ich zwar
nicht, halte es aber für möglich, denn er hatte einen guten
Namen in der Sicherheitspolizei und im SD und zwar nicht,
weil er den wilden Mann gespielt hätte, sondern weil er ruhig
und sachlich war. Dass dann Kaltenbrunner Nachfolger Heydrichs
wurde, hat jedenfalls mich überrascht.
Mir ist auch nichts darüber bekannt, ob es eine Regelung über
die Vertretung der Amtschefs untereinander gab. Ich persönlich
würde meinen, dass bei Verhinderung eines Amtschefs der
begreffende
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Gruppenleiter in eigener Verantwortung tätig geworden ist
oder sich direkt an den Hauptammtschef gewandt hat.
Von den Massnahmen gegen die Juden in Russland habe ich von
Anfang an Kenntnis gehabt. Ich habe aber niemals offiziell
erfahren, auf welchem Befehl die Tötung der Juden beruhte.
Zwar ist mir nach dem Krieg bekannt geworden, dass es einen
sogenannten "Führerbefehl" gab, der die Liquidierung der Juden
aus rassischen Gründen zum Inahlt hatte, ich kann mich jedoch
nicht daran erinnern, dass mir schon während des Krieges je-
mals gesagt worden wäre, dass ein derartiger Befehl vorliege.
Von dem Vorliegen eines solchen Befehls hätte ich für meine
Tätigkeit in Tunis Kenntnis erlangt haben müssen, denn dort
gab es viele Juden, die z.T. sogar freiwillig für uns gearbei-
tet haben, ohne dass ihnen irgend etwas geschehen wäre.
Schon während des Polenfeldzuges hatte ich von Liquidierungs-
massnahmen gegenüber den Juden gehört, ohne dass ich heute
noch sagen könnte, ob ich das offiziell auf Besprechungen
oder aus irgend welchen Gesprächen erfahren hatte.
Mir sind die Protokolle über die Amtschefbesprechungen im
Herbst 1949 vorgelegt worden. Obwohl ich in den meisten dieser
Besprechungen als Teilnehmer aufgeführt werde und obwohl das
unter den Protokollen befindliche Handzeichen zweifellos von
mir stammt, habe ich auch jetzt keinerlei Erinnerung daran,
and diesen Besprechungen teilgenommen zu haben. Damit möchte
ich jedoch in keiner Weise die Richtigkeit dieser Protokolle
infrage stellen. Wenn ich über diese Angelegenheit nachdenke,
so halte ich es für möglich, dass ich damals in meiner oben
erwähnten Eigenschaft als MOB-Vorbereiter an diesen Bespre-
chungen teilgenommen und als jüngster der Anwesenden mit der
Führung des Protokolls beauftragt worden bin.
Auf Fragen des Staatsanwalts.
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Zu meinen Aufgaben als MOB-Referent gehörte es nicht, mich um
die Aufstellung der Einsatzkommandos zu kümmern. Das war im
übrigen damals auch noch gar nicht im Gespräch.
Der Einmarsch in die CSR war für meine Tätigkeit als MOB-Refe-
rent eine gewisse Bewährungsprobe, weil sich damals heraus-
stellte, dass ein Teil der Männer in den Einsatz ging, die
eigentlich hätten dableiben müssen. Deswegen wurde eine neue
Aufstellung derjenigen Männer vorgenommen, die unbedingt
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auf ihren Posten bleiben mussten.
Aufgrund der Erfahrungen in der CSR wurde vor dem Polenfeldzug
die Aufstellung der Einsatzgruppen organisiert. Ich hatte da-
mit im Hinblick auf die technische Ausrüstung der Gruppen zu
tun. Die Anweisungen dafür habe ich einmal vom Oberführer
Albert, dem Amtschef I des SD-Hauptamtes, zum anderen von
Dr.Best bekommen.
Für die Ausrüstung der Einsatzgruppen im Russlandfeldzug
muss ich meine Anweisungen von dem damals amtierenden Amtschef
bekommen haben, wobei ich nicht sagen kann, ob das s.Zt. Dr.
Nockemann oder Dr. Siegert gewesen ist. Ich meine, dass ich
im März oder April 1941 von der Marine zurückgekommen bin.
Ob schon vor diesem Zeitpunkt die Vorbereitungen für den
Russlandfeldzug, soweit sie die Ausrüstung der Einsatzgruppen
betrafen, angelaufen sind, weiss ich nicht.
Von einem Organisationsbefehl für die Einsatzgruppen im Russ-
landfeldzug, der von allen Beteiligten mit unterzeichnet wo-
den sein soll, ist mir nichts bekannt.
Der von den Einsatzgruppen benötigte Kraftstoff wurde von
der Wehrmacht geliefert. Das war auf oberster Ebene ausge-
handelt worden. Die benötigte Munition wurde auf Grund von
Verhandlungen mit dem OKW von der Wehrmacht an uns nach
Berlin geliefert und dann von uns an die Einsatzgruppen weiter-
geleitet. Es gab also keine direkte Munitionsübergabe von
der Wehrmacht and die Einsatzgruppen, soweit mir bekannt ist.
Im übrigen hat in die von mir erwähnten Verhandlungensogar
Heydrich selbst eingegriffen, wenn ich nicht weiterkam. Ich
persönlich kann mir deswegen auch nicht vorstellen, dass
Streckenbach einem nachgeordneten Mann wie Pradel für Verhand-
lungen mit der Wehrmacht das Stichwort "Barbarossa" genannt
haben soll. Die erforderlichen Fahrer wurden aus dem vorhan-
denen Fahrerstamm oder aus Leichtverletzten genommen, die von
der Front zurückkamen und noch einsatzfähig waren. Dass man
sich and das NSKK gewandt hätte, ist mir nicht bekannt. Mir
erscheint es zweifelhaft, dass Streckenbach Pradel gesagt
haben soll, sich deswegen mit dem NSKK in Verbindung zu setzen.
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Es kann sein, dass ich mich mit Streckenbach im Hinblick auf
die Einsatzgruppen über personelle Dinge unterhalten habe,
doch habe ich keine konkrete Erinnerun an eine solche Be-
sprechung. Ich weiss überhaupt von keinem einzigen positiven
Fall, in dem ich dienstlich zu Streckenbach gegangen wäre.
Ich habe Streckenbach zuletzt 1960 oder 1962 gesehen, als ich
in Deutschland war. Ich sass damals in einem Kaffee in München
und sah zufällig Streckenbach vorbeigehen. Wir haben uns da-
mals unterhalten, aber nicht gemeinsame dienstliche Dinge ge-
sprochen.
Ich kann mich nicht erinnern, dass Streckenbach während des
Polenfeldzuges Führer einer Einsatzgruppe und später BdS in
Krakau gewesen ist.
Von den Liquidierungsmassnahmen in Polen muss ich aus den
Amtschefbesprechungen erfahren haben. Eine eigene Erinnerung
an diese Dinge habe ich heute nicht mehr. Ich weiss, dass in
einem dieser Protokolle von Liquidierungsmassnahmen gegenüber
der polnischen Intelligenz die Rede ist. Ob in anderen Proto-
kollen auch von der Liquidierung der Juden gesprochen wird,
weiss ich nicht. Mir ist auch nicht erinnerlich, ob seinerzeit
die Trennung in ein "Nahziel" und ein "Endziel" erfolgte. Ob
ich damals schon aus den Amtschefbesprechungen den Schluss
gezogen hbe, dass die Juden generell vernichtet werden sollten
oder ob das bei den damaligen Amtschefbesprechungen sogar
ausdrücklich gesagt worden ist, weiss ich nicht mehr. Ich
möchte allerdings meinen, dass in den Protokollen vermerkt
worden wäre, wenn ausdrücklich darüber gesprochen worden wäre.
Wenn es in dem Protokoll über die Besprechung vom 21.9. 1939
heisst, dass Judentum sei in den Städten im Ghetto zusammenzu-
fassen, um eine bessere Kontrollmöglichkeit und später Abschub-
möglichkeit zu haben, so kann ich heute nicht sage, was da-
mals unter Abschubmöglichkeit verstanden wurde (Blatt 1713).
Wie sich aus den Amtschefprotokollen ergibt, ist dort von
einer Endlösung noch nicht die Rede, ich muss also insoweit
meine Aussage revidieren, als ich oben angegeben habe, mir
sei schon im September 1939 von den generellen Liquidierungen
bekannt gewesen.
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Wenn es in dem Protokoll über die Besprechung vom 27.9. 1939
weiter heisst (Blatt 1714), Erschiessungen sind nur noch vor-
zunehmen bei Notwehr und Fluchtversuchen, alle übrigen Prozesse
seien an die Kriegsgerichteabzugeben, die mit Anträgen so
eingedeckt werden müssten, dass sie der Arbeit nicht Herr werden
könnten, so kann ich mit Sicherheit nicht sagen, worauf das
zurückzuführen ist. Ich nehme an, dass sich seinerzeit die
Wehrmacht über irgend welche Erschiessungen beschwert hat,
denn die Wehrmacht war im Frontgebiet oberster Gerichtsherr
und mochte es nicht, wenn jemand naderes in ihrem Bereich Er-
schiessungen oder andere gerichtliche Massnahmen vornahm.
Wenn es in dem erwähnten Protokoll ferner heisst, vom politi-
schen Führertum seien noch höchstens 3% vorhanden, (Blatt 1713)
so kann ich nicht sagen, was mit den übrigen 97% geschehen ist.
Wahrscheinlich ist ein Grossteil von ihnen nach dem Osten ge-
flohen. Jedenfalls halte ich es für ausgeschlossen, dass die
97% vorher erschossen worden sind, denn dafür gab es später
viel zu viele Partisanen, die von Angehörigen der Intelligenz ge-
führt wurden.
Wenn es in dem Protokill vom 16.10.1939 (Blatt 1723) heisst,
C sei auf die Liquidierung des führenden Polentums eingegangen
und habe von Listen gesprochen, die die Einsatzgruppenleiter
vorzulegen hätten, so habe ich daran heute keine Erinnerung
mehr.
Bei dem im Vermerk vom 5.10. 1939 (Blatt 1720 ) angesprochenen
alten Problem SD-Polizei und Wehrmacht handelte es sich darum,
dass die Wehrmacht im Frontgebiet die absolute Priorität hatte,
dass aber die Sicherheitspolizei und SD Aufgaben wahrnahmen, die
eigentlich Sache der Wehrmacht waren, von ihr aber nicht
wahrgenommen werden konnten. Deswegen gab es ständig Reibereien.
Es kann sein, ist aber nicht unbedingt erforderlich, dass sich
diese Differenzen auch auf Erschiessungen bezogen haben. Wie
allerdings dieses Problem erneut auftauchte, nachdem Heydrich
in der Besprchung vom 19.9 1939 erklärt hatte (Blatt 1705),
dass seine Besprechung mit Oberst Wagner als sehr günstiges
Ergebnis in der Zusammenarbeit mit der Wehrmacht bezeichnet
werden müsse, weiss ich nicht.
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Ob ich gebeten habe, an den Amtschefbesprechungen teilzu-
nehmen, weiss ich nicht. Es ist möglich, dass ich das im
Hinblick auf die Ausrüstungsprobleme getan habe.
Die Aktenvermerke waren für unsere eigenen Unterlagen bestimmt,
nicht für Heydrich.
Alle diese Erörterungen über die Protokolle bringen mir keine
eigene Erinnerung an die damaligen Vorgänge, obwohl ich seit
der ersten übersendung eines derartigen Protokolls an mich
mehrfach darüber nachgedacht habe.
Hinsichtlich der Judenvernichtungen in Russland weiss ich,
dass dafür Gaswagen eingesetzt wurden. Ich kann aber nicht
sagen, von wann an und in welchem Umfang dies geschehen ist.
Ich war früher der festen Meinung, dass die Sache mit den Gas-
wagen in der Zeit angelaufen ist, in der ich bei der Marine
war. Heute habe ich daran Zweifel und halte es für möglich,
dass diese Angelegenheit erst in Gang gekommen ist, nachdem
ich von der Marine zurückgekommen war. Jedenfalls weiss ich,
dass ich irgendwann nach meiner Rückkehr im Hof zwei dieser
Gaswagen stehen gesehen habe, die mir Pradel gezeigt hat.
Irgendwie habe ich dann auch erfahren, dass man die Gaswagen
zur Vollstreckung von Urteilen wie auch zur Tötung der Juden
benutzt hat.
Ich halte es für ausgeschlossen, dass Pradel die Entwicklung
der Gaswagen von sich aus vorgenommen hat. Er muss einen Be-
fehl dafür entweder von mir oder von einem anderen Vorgesetzten,
der noch über mir stand, bekommen haben.
Ob ich damals Bedenken gegen den Einsat der Gaswagen hatte,
kann ich nicht sagen. Für mich stand damals im Vordergrund,
dass die Erschiessungen für dei Männer, die damit befasst
wurden, eine erhebliche Belastung darstellten und dass diese
Belastung durch den Einsatz der Gaswagen entfiel.
Ich glaube nicht, dass seinerzeit Dr. Siegert mit diesen Dingen
befasst worden ist, wenn er davon wohl auch gewusst hat.
Es ist richtig, dass ich über den Einsatz der Gaswagen etwas von
Becker bekommen habe. Ich selbst hatte Becker gesagt, mir einen
entsprechenden Bericht zuzusenden.
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Warum in dem mir vorgelegten Schreiben aus dem Referat II A 2
vom 19.11.1942 (Blatt 3698 ff) Dr. Siegert als ämtschef i.V."
aufgeführt und warum dieses Schreiben von Streckenbach ebenfalls
"i.V." unterzeichnet worden ist, kann ich nicht erklären.
Ich kann mich an keinen Vorgang aus dem Amt II erinnern, den
ich Streckenbach vorgelegt hätte.
Es ist nicht richtig, dass ich bei der Marine zum selben Aus-
bildungslehrgang gehörte wie Heydrich. Er war bereits 1922
ich aber erst 1924 eingetreten. Er war Funkmann, ich Minen-
sucher, er war an Land, ich an Bord tätig. Aus all diesen
Gründen ist es während der Marinezeit zu keinem persönlichen
Kontakt zwischen uns gekommen. Ich habe mich deswegen nach
meinem Ausscheiden aus der Marine auch nicht an Heydrich ge-
wandt, sondern die Verbindung ist über den schon erwähnten
von Jagow zustande gekommen. Später allerdings ist es auf
familiärer Ebene zu näheren persönlichen Kontakten gekommen,
ohne dass sich das dienstlich irgendwie ausgewirkt oder mir
gar Vorteile gebracht hätte.
Heydrich war ein wahnsinniger Ehrgeizling, ein Fuchs, der
äusserst misstrauisch war und der niemanden neben oder gar
über sich duldete. Zudem war er ein Mensch, der nicht verlie-
ren konnte. Nicht einmal im Spiel. Dem gemäss war das Verhältnis
zwischen ihm und allen anderen Personen, die sehr weit oben
standen, wie z.B. Streckenbach, von der Persönlichkeit Hey-
drichs her, sehr schwierig. Ich kann deswegen meine obige
Aussage wiederholen, dass ein aufrechter und gerader Mensch wie
Streckenbach auf Heydrich schockierend wirkte.
Ob ich Streckenbach und Heydrich zusammen erlebt habe, erinne-
re ich zwar positiv nicht, es ist aber wahrscheinlich.
Jedenfalls werde ich den einen über den anderen habe reden
hören, ich werde über sie und über ihr Verhältnis zueinander
von den Adjutanten heydrichs gehört haben. Aus alle dem kann
ich den Schluss ziehen, dass das Verhältnis zwischen ihnen
reserviert war.
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Ein konkretes Beispiel für Differenzen zwischen Heydrich
und Streckenbach kann ich nicht nennen.
Dr.Plötz stand sich mit jedermann, also auch mit Streckenbach
gut. Ob er allerdings mit Streckenbach befreundet war, weiss
ich nicht. Dr. Plötz war alles andere als ein Soldat, wie er
zu seinem Posten als Adjutant gekommen ist, weiss ich nicht.
Wie jeder andere auch, sollte auf Wunsch von Heydrich auch
Dr. Plötz einen Einsatz bei der kämpfenden Truppe ableisten.
Es ist aber allerdings richtig, dass Plötz erst nach dem Tode
von Heydrich an die Front gekommen ist. Der von Heydrich ge-
wünschte Fronteinsatz, jedenfalls der Führer, sollte bei der
Waffen-SS oder bei der Wehrmacht erfolgen. Mir ist nichts
davon bekannt, dass sich Heydrich einer Versetzung dorthin
widerstrebt hätte. Allerdings hat er sich den Zeitpunkt da-
für selbst vorbehalten. Die Einsätze bei der Sicherheitspolizei
in den besetzten Gebieten, galten für ihn nicht als Frontbe-
währung.
Auf Fragen des Verteidigers
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Gehen Sie davon aus, dass der Inhalt der Amtschef- und Einsatz-
gruppenleiter-Besprechungen und der entsprechenden Protokolle
"insbesondere des Protokolls vom 27.9. 1939, (Blatt 1710 ff) "
anderen Personen als den im Vermerk aufgeführten mitgeteilt
worden ist?
Ich bin der Ansicht, dass der Inhalt der Protokolle noch
nicht einmal den anfangs des Protokolls aufgeführten Personen
mitgeteilt worden ist, weil diese Protokolle keinen Verteilungs-
plan tragen. Ich bin der Ansicht, dass diese Protokille le-
diglich als Gedankenstütze für mich selbst gemacht worden sind.
Wenn mir aus dem Protokoll vom 278.9. 1939 vorgehalten wird,
dass die Judendeportationen in den fremdsprachigen Gau, Abschie-
bung über die Demarkationslinie vom Führer genehmigt worden
ist, so bedeutete das die Abschiebung der Juden aus den
deutschen Gebieten soweit wie möglich nach dem Osten. Wenn
in diesem Zusammenhang auch von einer Tötung der Juden die
Rede gewesen wäre, hätte ich das sicher in das Protokoll auf-
genommen.
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Wenn es in diesem Protokoll weiter heisst, Erschiessungen
sind nur noch bei Notwehr oder Fluchtversuchen vorzunehmen,
alle übrigen Prozesse sind an die Kriegsgerichte abzugeben,
dann bedeutet das, dass auch alle vorangegangenen Erschiessun-
gen auf Prozessen, d.h. auf gerichtlichen Verhandlungen bzw.
auf gerichtlichen Urteilen beruhten, sofern es sich nicht um
Fälle von Flucht oder Notwehr gehandelt hat.
Wenn es in diesem Protokoll ferner heisst, dass von dem poli-
tischen Führertum in den okupierten Gebieten höchstens noch
3% vorhanden seien, soe wird diese Zahl seinerzeit sicherlich
genannt worden sein. Ich halte sie aber nicht für richtig und
glaube, dass ein weit höherer Prozentsatz noch vorhanden war.
Genauso halte ich auch die Zahlen, die Becker in seinem Bericht
über die Gaswagen genannt hat, für weit überhöht, um damit
Eindruck zu machen.
Wenn mir folgende Charakterisierung von Heydrich vorgehalten
wird: "Nachtragender Mensch, ausserordentlich schnelle Auffassungs-
gabe, immer genau informiert: Streitfragen auszutragen war
zwecklose - festhalten an Entscheidungen, die of gegen jede
Vernunft waren - bei derartigen Auseinandersetzungen harte
und ungerechte äusserungen bis zur Kränkung, keinerlei Mög-
lichtkeit zu opponieren", so würde ich das in Ergänzung dessen,
was ich vorhin selbst über Heydrich gesagt habe, Wort für
Wort als zutreffend unterschreiben.
Auf Fage des Staatsanwalts:
Ich selbst habe nie versucht mit Heydrich eine Auseinander-
setzung durchzufechten, weil das aussichtslos war. Denn wenn
selbst ein Mann wie Dr.Best gegen ihn nicht angekommen ist,
wie hätte ich das dann schaffen sollen. Ich habe allerdings
eine Auseinandersetzung zwischen Dr.Best und Heydrich nicht
selbst miterlebt, ich kann auch sonst kein konkretes Beispiel
dafür angeben, dass Heydrich gegenüber Gegenvorstellungen un-
zugänglich war, und selbst wider besseres Wissen bei seiner
einmal gefassten Meinung blieb. Ich kann nur aufgrund mmeines
persönlichen Umgangs mit ihm sagen, dass die angegebene
Charakterisierung zutreffend ist und ich kann beispielsweise
darauf verweisen, dass er in Prag bei Besuchen des Staatsprä-
sidenten erklärte, er ginge diesem nur bis zu einer bestimmten
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Stelle entgegen und er blieb bei dieser Auffassung auch,
nachdem ihm ein junger Mann aus dem Auswärtigen Amt, der mit
dem Protokoll beauftragt war, ihm gesagt hatte, dass er dem
Präsidenten weiter entegengehen müsste. In diesem Zusammenhang
möchte ich auch noch einmal wiederholen, dass Heydrich beim
Spiel nicht verlieren konnte und dass deswegen meine Kameraden
und ich uns in Prag dahin verständigten, ihn beim Doppelkopf
gewinnen zu lassen.
Auf der anderen Seite ist es durchaus richtig, dass Heydrich
ein sehr charmanter und liebenswürdiger Gastgeber sein konnte.
Schellenberg war ein genau so krankhaft ehrgeiziger Mensch wie
Heydrich.
Nach Diktat genehmigt und unterschrieben
Walter Rauff [Unterschrift]
. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Walter Rauff
XXXXXXXXXXXXXXX
Protokollführerin Dr. KXXXXXXXXXXXXXX
[Siegel:Botschaft
der Bundesrepublik Legationsrat I.Kl.
Deutschland
Santiago]