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3876-PS (2)

Heydrich: Tätigkeits- und Lagebericht Nr. 11

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD
Berlin, den 23. 4. 1942.
IV A 1 - B. Nr. 24 B/41 gRs.

Geheime Reichssache!

Betrifft: Tätigkeits- und Lagebericht Nr. 11 der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der UdSSR.

Anlage: -1-

Im Auftrage des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD übermittle ich anliegend den elften zusammenfassenden Lagebericht über die Tätigkeit der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der UdSSR.

gez. Heydrich.

Beglaubigt:
Unterschrift (uni)
Kanzleiangestellte.

Verteiler.

An die Chefs der Einsatzgruppen A, B, C und D (mit Überdrucken f. d. Einsatzkommandos bezw. Kommandeure der Sicherheitspolizei und des SD)

An den Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement SS-Oberf. Dr. Schöngarth, Krakau

An den Grenzinspekteur I — Ost — SS-Oberf. RuKD. Damzog, Posen

An den Höheren SS- und Polizeiführer SS-O'GrUf. Jeckeln, Riga, SS-O'Gruf. v. d. Bach, Mogilew, SS-O'Gruf. Prützmann, Kriwoj-Rog, SS-Brif. Korsemann, Rowno, SS-O'Gruf. Krüger, Krakau, SS-O'Gruf. Heißmeyer, Berlin, SS-O'Gruf. v. Woyrsch, Dresden, SS-O'Gruf. Schmauser, Breslau, SS-O'Gruf. Mazuw, Stettin, SS-Gruf. Dr. Kaltenbrunner, Wien, SS-Gruf. Koppe, Posen, SS-Gruf. Staatssekr. Frank, Prag

An den SS- und Polizeiführer SS-Brif. Schröder, Riga, SS-Brif. Wysocki, Kauen, SS-Oberf. Möller, Reval, SS-Brif. Zenner, Minsk, SS-O'Stubaf. Hellwig, Shitomir, SS-Oberf. Scherner, Krakau, SS-Oberf. Wigand, Warschau, H-Brif. Oberg, Radom, jy-Brif. Katzmann, Lemberg, SS-Brif. Haltermann, Kiew.

An den Reichsverteidigungskommissar f. d. Wehrkreis I, z. Hd. v. RR. Witte oViA., Königsberg/Pr., Reichsverteidigungskommissar f. d. Wehrkreis II, z. Hd. v. RD. Buchholz oViA, Stettin, Reichsverteidigungskommissar für Niederschlesien im Wehrkreis VIII z. Hd. v. ORR. Dreschhoff oViA., Breslau, Reichsverteidigungskommissar für Oberschlesien im Wehrkreis VIII, z. Hd. v. RR. Meyer-Tonndorf oViA., Kattowitz, Reichsverteidigungskommissar f. d. Wehrkreis XVII, z. Hd. v. RR. Dr. Fischer oViA, Wien, Reichsverteidigungskommissar f. d. Wehrkreis XX, z. Hd. v. ORR. Brien oViA., Danzig, Reichsverteidigungskommissar f. d. Wehrkreis XXI, z. Hd. v. RR. Mittendorf oViA., Posen, Reichsverteidigungskommissar f. d. bes. poln. Gebiete, — Herrn Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frank — z. Hd. v. ORR. Dr. Schepers oViA., Berlin

An den SS-Brif. Harms, Stettin (SS-Oberabschnitt Ostsee)


Geheime Reichssache!

100 Ausfertigungen
69. Ausfertigung

Tätigkeits- und Lagebericht Nr. 11
der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD
in der UdSSR.

(Berichtszeit vom 1.3.-31.3.1942)

[...]

II. Vollzugstätigkeit.

A. Partisanen.

[...]

Estland

In Estland wurde von einem Einsatzkommando der Sicherheitspolizei und des SD eine Aktion gegen das Partisanendorf Ussaditsche durchgeführt. Eingehende Erkundungen unter Einsatz von Zivilspähern hatten ergeben, dass sich in Ussaditsche eine größere Partisanengruppe gesammelt hatte, um von hier aus ihre Zerstörungsaktionen durchzuführen. Zahlreiche Schispuren zeugten von einem regen Verkehr nach dem Dorf. Ussaditsche wurde niedergebrannt und die gesamte Bevölkerung, da sie sich restlos an der Unterstützung der Partisanen beteiligt hatte, erschossen.

Die Partisanen hatten auch einen Überfall auf einen Trupp der Organisation Todt ausgeführt, der in Stärke von 15 Mann restlos aufgerieben wurde.

Bei Reval und im Kreise Wirland gelang mehrfach die Festnahme sowjetischer Fallschirmspringer, die mit eingehenden Erkundungsaufträgen versehen waren. Sie führten Handgranaten, Pistolen, Karten, Signalmittel, Lebensmittel, größere Geldbeträge und Funkgeräte bei sich. Unter einer der erfaßten Gruppen befand sich der Sekretär der Kommunistischen Partei im Kreise Walk.

Litauen

[...]

Weissruthenien

[...]

Ukraine

In der Ukraine hat die Tätigkeit der Partisanengruppen die Dorfbevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Zum weitaus größten Teil hat die Landbevölkerung nichts veranlaßt, die Kolchosen vor den Partisanen zu verteidigen. Nach erfolgter Landaufteilung ist damit zu rechnen, daß sich die Haltung der Bewohnerschaft in Zukunft grundsätzlich ändern wird.

Die Aufgaben der Partisanen in der Ukraine bestehen

1. in der Aufhetzung der Bauern zur Sabotage der von deutschen Dienststellen angeordneten Maßnahmen
2. in der Durchführung von Überfällen auf kleinere deutsche Einheiten
3. in der Anwerbung neuer Partisanen.

Umfangreiche Erkundungsmaßnahmen der Sicherheitspolizei und des SD gaben der Wehrmacht die Unterlagen für mehrere große Aktionen, die regelmäßig die Zuverlässigkeit des Ermittlungsergebnisses bewiesen.

Krim

Auf der Krim zeigte wiederum der Einsatz von Zivilerkundern im Rahmen der sicherheitspolizeilichen Ermittlungstätigkeit besonders gute Erfolge.

So wurde es der Wehrmacht ermöglicht, eine Großaktion gegen die Partisanengruppen von Beschuj, Ailjanma und Tschermalyk durchzuführen, an der neben einem Sonderkommando und einer Tartarenselbstschutzkompanie der Sicherheitspolizei und des SD drei rumänische Infanteriebataillone, vier rumänische Schwadronen, deutsche Panzer und Nebelwerfer teilnahmen. 353 Partisanen wurden im Kampf getötet. Die Beute war beträchtlich.

Der Einsatz der von der Sicherheitspolizei und dem SD aufgestellten Tartarenselbstschutzkompanien zeitigte stets große Erfolge. Es konnten regelmäßig Stützpunkte niedergebrannt, Waffen, Munitionslager und Lebensmittel sichergestellt und die Partisanen vernichtet werden.

Die von der Sicherheitspolizei und dem SD bei einer Aktion festgenommenen Führer der Partisanenabteilung Sewastopol und dessen Stabschef, der Kommissar des Vernichtungsbataillons Bachtschisaraj, der Instrukteur des Bildungswesens im Rayon Bachtschisaraj sowie andere führende Partisanenmitglieder wurden als abschreckendes Beispiel in Bachtschisaraj öffentlich erhängt.

Als neueste Tarnungsmethode ist die Feststellung getroffen worden, daß mehrere Partisanen auf der Brust ein großes Kreuz eintätowiert trugen. Bei ihrer Festnahme sollten sie sich als strenggläubige Christen ausgeben.

B

[...]

C. Juden.

Die Arbeitsweise bei der Bereinigung der Judenfrage war in den verschiedenen Frontabschnitten eine durchaus unterschiedliche.

Da das Ostland zum größten Teil judenfrei ist und die wenigen noch vorhandenen Juden, die für den dringendsten Arbeitseinsatz benötigt werden, ghettoisiert sind, lag hier die Aufgabe der Sicherheitspolizei und des SD in der Erfassung der sich meistens auf dem Land verborgen haltenden Juden. Mehrfach wurden auch Juden ergriffen, die sich unerlaubt aus dem Ghetto entfernt hatten oder den Judenstern nicht trugen.

In Riga wurden u. a. drei aus dem Reich in das Ghetto überstellte Juden, die ausgebrochen waren, erfaßt und im Ghetto öffentlich erhängt.

Bei größeren Judenaktionen wurden in Minsk 3412, in Wilejka 302 und in Baranowitschi 2007 Juden erschossen.

Die Bevölkerung begrüßte diese Aktionen, da sie bei Besichtigung der Wohnungen feststellen mußte, daß die Juden noch über größere Lebensmittellager verfügten, während die eigene Versorgungslage außerordentlich schlecht ist.

Gerade auf dem Gebiet des Schwarzhande1s treten die Juden immer wieder in Erscheinung. In der Minsker Großküche, die der Speisung der Bevölkerung dient und von der Stadtverwaltung betrieben wird, hatten 2 Juden umfangreiche Unterschlagungen und Bestechungen begangen. Die dadurch erhaltenen Lebens-mittel wurden im Schwarzhandel verkauft.

Weiterhin wurde ein Jude wegen dringenden Spionageverdachts festgenommen. Es handelt sich bei ihm um einen bekannten Bildhauer und Zeichner, der durch Porträtierung zahlreicher deutscher Offiziere beinahe zu allen in Minsk liegenden deutschen Truppeneinheiten Zutritt fand.

In den übrigen Gebieten der Ostfront bestand die Aufgabe der Sicherheitspolizei und des SD neben dem Vorgehen gegen einzelne politisch oder kriminell in Erscheinung getretenen Juden in der allgemeinen Bereinigung größerer Ortschaften. So wurden allein in Rakow 15 000 und in Artenowsk 1224 Juden erschossen, so daß diese Orte judenfrei sind.

Auf der Krim wurden 1 000 Juden und Zigeuner exekutiert.





Übersicht:

Quellen:


  1. Externer LinkDer Nürnberger Prozess, Urkunden und anderes Beweismaterial
    Delphin-Verlag, München 1989
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© Jürgen Langowski 2017