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4.1.1933

Treffen zwischen Hitler und von Papen im Haus des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder in Köln (Auszug)

Erklärung unter Eid

Ich, Kurt Freiherr von Schroeder, nachdem ich darauf aufmerksam
gemacht worden bin, daß ich mich wegen falscher Aussage strafbar
mache, stelle hiermit unter Eid freiwillig und ohne Zwang
folgendes fest ...

Als die Lage in Deutschland sich unter Schleicher als Kanzler in
den letzten Monaten des Jahres 1932 weiter verschlechterte, sahen
Hitler und Papen ein, daß es vielleicht am günstigsten wäre, wenn
sie zu einer Zusammenarbeit kommen könnten. Als ich Papen im
Dezember sah, sagte er mir: "Ich glaube, daß es jetzt vielleicht
möglich wäre, eine Zusammenkunft herbeizuführen, um die
strittigen Punkte aufzuklären. Wir müssen eine Möglichkeit zur
Zusammenarbeit der Rechtsparteien finden. Dies ist die
Vorgeschichte der Zusammenkunft Hitlers und Papens in meinem
Hause.

Am 4. Januar 1933 trafen Hitler, von Papen, Heß, Himmler und
Keppler in meinem Hause in Köln ein. Hitler, von Papen und ich
begaben uns in mein Arbeitszimmer, wo eine zwei Stunden dauernde
Besprechung stattfand. Heß, Himmler und Keppler nahmen an der
Besprechung nicht teil, hielten sich aber im Nebenzimmer auf.
Keppler, der behilflich gewesen war, diese Zusammenkunft zu
arrangieren, kam von Berlin; von Papen kam allein von seinem Haus
an der Saar; und Hitler brachte Himmler und Heß mit sich, da sie
zu einer Wahlversammlung in Lippe unterwegs waren. Die
Verhandlungen fanden ausschließlich zwischen Hitler und Papen
statt, ich nahm keinen Anteil daran. Die Besprechung begann
ungefähr 11.30 Uhr morgens, und der erste Punkt, der von Hitler
zur Sprache gebracht wurde, war die Frage, warum es notwendig
gewesen wäre, die zwei Nazis, die den Kommunisten in Schlesien
umgebracht hatten, zu bestrafen (...)

Weiterhin führte Papen aus, daß er es für das beste halte, eine
Regierung zu formen, bei der die konservativen und nationalen
Elemente, die ihn unterstützt hatten, zusammen mit den Nazis
vertreten seien. Er schlug vor, daß diese neue Regierung
womöglich von Hitler und Papen zusammen geführt werden sollte.
Daraufhin hielt Hitler eine lange Rede, in der er sagte, daß,
wenn er zum Kanzler ernannt würde, Anhänger von Papen als
Minister an seiner (Hitlers) Regierung teilnehmen könnten, sofern
sie gewillt wären, seine Politik, die viele Änderungen
bestehender Zustände verfolgte, zu unterstützen. Er skizzierte
diese Änderungen, einschließlich der Entfernung aller
Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden von führenden Stellungen
in Deutschland und der Wiederherstellung der Ordnung im
öffentlichen Leben. Von Papen und Hitler erzielten eine
prinzipielle Einigung, durch welche viele der Punkte, die den
Konflikt verursachten, beseitigt werden konnten und eine
Möglichkeit der Zusammenarbeit gegeben war. Es wurde vereinbart,
daß weitere Einzelheiten noch zu bearbeiten seien und daß dies in
Berlin oder (an) einem sonstigen geeigneten Platz vorgenommen
werden könne. Dies erfolgte, wie ich später erfuhr, in einer
Zusammenkunft mit Ribbentrop. Die Besprechung in meinem Hause
endete um ungefähr 1.30 Uhr. Wir drei begaben uns dann zusammen
mit Heß, Himmler und Keppler zu Tisch, wobei über allgemeine
Dinge Konversation gemacht wurde. Um ungefähr 4 Uhr verließen
alle Gäste mein Haus.

Diese Zusammenkunft zwischen Hitler und Papen am 4. Januar 1933
in meinem Hause in Köln wurde von mir arrangiert, nachdem Papen
mich ungefähr am 10. Dezember 1932 darum ersucht hatte. Bevor ich
diesen Schritt unternahm, besprach ich mich mit einer Anzahl von
Herren der Wirtschaft und informierte mich allgemein, wie sich
die Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit der beiden stellte. Die
allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin,
einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen,
der eine Regierung bilden würde, die lange an der Macht bleiben
würde. Als die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten Rückschlag
erlitt und somit also ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde
eine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft besonders
dringend. Ein gemeinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der
Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, daß die
Nationalsozialisten - einmal an der Macht - eine beständige
politische und wirtschaftliche Grundlage in Deutschland
herstellen würden. Eine weiteres gemeinsames Interesse war der
Wunsch, Hitlers wirtschaftliches Programm in die Tat umzusetzen,
wobei ein wesentlicher Punkt darin lag, daß die Wirtschaft sich
selbst lenken sollte zur Lösung der von der politischen Führung
gestellten Probleme. Zur praktischen Durchführung dieses
Programmpunktes erwartete man, wie es ja spater auch geschah, daß
die gesamte Wirtschaft auf einer neuen Basis organisiert werden
würde, und zwar in Verbänden, denen sämtliche wirtschaftliche
Unternehmungen, im Gegensatz zu den damals bestehenden Verbänden,
beitreten mußten, deren Führung durch Wirtschaftler und Kaufleute
selbst erfolgen würde, die selbst für einen Ausgleich der
Produktion zu sorgen hätten, so daß notgedrungen diese neuen
Verbände mehr Einfluß ausüben könnten als früher. Weiterhin
erwartete man, daß eine wirtschaftliche Konjunktur durch das
Vergeben von größeren Staatsaufträgen werden würde.

In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler
projektierte Erhöhung der deutschen Wehrmacht von 100 000 auf 300
000 Mann, das Bauen von Reichsautobahnen und die Kredite, die der
öffentlichen Hand (Länder, Gemeinden etc.) gegeben werden sollten
zum Bauen von neuen und Verbesserungen von bereits bestehenden
Straßen, Aufträge zur Verbesserung des Verkehrswesen,
insbesondere der Reichsbahn, und Förderung solcher Industrien wie
Automobil- und Flugzeugbau und der damit verbundenen Industrien.

Es war allgemein bekannt, daß einer der wichtigsten
Programmpunkte Hitlers die Abschaffung des Vertrages von
Versailles darstellte und die Wiederherstellung eines sowohl in
militärischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht starken
Deutschlands. Es war klar, daß in einem starken Deutschland auch
die Wirtschaft aufblühen werde, und es war darüber hinaus klar,
daß wirtschaftliche Stärke eine Stellung bedeutete, in der
Deutschland nicht mehr vom Ausland abhängig sein würde. Diese
Bestrebungen, Deutschland autark zu machen, wurden von gewissen
wirtschaftlichen Unternehmungen möglicherweise nicht aus
Idealismus, sondern aus nackter Profitgier begrüßt, als (im
Original: also) eine Möglichkeit, den eigenen Machtbereich zu
vergrößern. Eine solche Möglichkeit war zweifellos auf dem Gebiet
der Erzeugung des synthetischen Öls und Kautschuks gegeben.

Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein
bekannt und wurde von ihr begrüßt.




Quellen:

Siehe auch:

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© Jürgen Langowski 2016