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14.03.1939/15.03.1939

Hacha in Berlin

Unterredung zwischen Adolf Hitler und Staatspräsident Hacha

Weitere Anwesende:

Der tschechoslowakische Außenminister Chvalkovsky
Reichsaußenminister von Ribbentrop
Generalfeldmarschall Göring
General Keitel
Staatssekretär von Weizsäcker
Staatsminister Meißner
Staatssekretär Dietrich
Legationsrat Hewel

Staatspräsident Hacha begrüßt den Führer und drückt seinen Dank darüber aus, daß er ihn empfängt. Er habe seit langem den Wunsch gehabt, den Mann kennenzulernen, dessen wunderbare Ideen er oft gelesen und verfolgt habe. (Man setzt sich.) Hacha: Er sei bis vor kurzem ein Unbekannter gewesen. Er habe sich nie mit Politik befaßt, sondern er sei eben ein Justizbeamter im Wiener Verwaltungsapparat gewesen, und als solcher habe er sich absichtlich nicht um Politik gekümmert, damit er vor den Parteien, denen er als Richter gegenüberzutreten hatte, unbelastet gewesen sei. 1918 sei er nach Prag berufen und 1925 zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes ernannt worden. Als solcher habe er kein Verhältnis zu den Politikern, oder, wie er lieber sagen wollte, zu den "Politikastern" gehabt, und er sei nur selten mit ihnen in Berührung gekommen. Er müsse zu Beginn erwähnen, daß er auch zu der Regierung kaum Beziehungen gehabt habe und daß sich sein Verkehr mit den Regierungsmitgliedern auf das mindeste beschränkt habe. Er sei nie persona grata gewesen. Mit Präsident Masaryk sei er nur einmal im Jahre bei einem Souper der Richter zusammengekommen, mit Benesch noch seltener. Das eine Mal, als er mit diesem zusammengekommen wäre, habe es Mißverständnisse gegeben. Im übrigen sei ihm das ganze Regime fremd gewesen, daß er sich gleich nach dem Umschwung die Frage gestellt habe, ob es überhaupt für die Tschechoslowakei ein Glück sei, ein selbständiger Staat zu sein. In diesem Herbst nun sei ihm die Aufgabe zugefallen, an der Spitze des Staates zu stehen. Er sei ein alter Mann. Er habe seine Bedenken überwunden, als man ihm als patriotische Pflicht hinstellte, das Amt zu übernehmen. Mit dieser Übernahme sei die schwerste Aufgabe seines Lebens an ihn herangetreten, und so habe er es gewagt, den Führer zu bitten, ihn zu empfangen.

Er habe die Überzeugung, daß das Schicksal der Tschechoslowakei in den Händen des Führers läge, und er glaube, daß das Schicksal in den Händen des Führers gut aufgehoben sei. Was sich vor kurzem in der Slowakei ereignet habe, brauche er nicht zu beklagen. Es sei schon lange seine Überzeugung gewesen, daß die verschiedenen Völker in diesem Staatskörper nicht zusammenleben konnten. Obwohl ihre Sprache ziemlich ähnlich sei, hätten sie sich sehr verschieden entwickelt, und die Tschechoslowakei sei näher mit Deutschland verwandt als mit der Slowakei, die mehr zu den Magyaren hinneige. Beziehungen hätten sie nur zu den evangelischen Slowaken gehabt, während die katholischen von den Tschechen abgelehnt worden seien. Das seien die Gründe, daß man nie zu einem guten Einverständnis hätte kommen können, und er sei froh, daß die Entwicklung diesen Weg genommen habe. Er stünde mit dieser Ansicht nicht allein, sondern sicher 80 Prozent der Bevölkerung teile sie mit ihm.

Vor einer halben Stunde habe er die Meldung bekommen, daß die Karpatho-Ukraine sich selbständig gemacht habe. Er glaube, daß der Führer mit den Slowaken keine allzu guten Erfahrungen machen werde. Dem Führer seien wohl auch in den letzten Tagen Gerüchte zu Ohren gekommen, daß von Prag aus ein Verfassungsbruch geschehen sei. Dieser Verfassungsbruch müßte je dann wohl auf sein Konto gehen. Er sei aber Jurist und wisse, daß die Entlassung der Regierung auf völlig legaler Grundlage geschehen sei. Denn die Verfassung selbst sei von einem Teil der tschechischen Regierung nicht eingehalten worden. Es seien dabei auch leider Ereignisse vorgekommen, die er bedauere, die aber durch Maßnahmen, die mit der Erhaltung der Ordnung zusammenhingen, ausgelöst worden seien. Beabsichtigt seien sie nicht gewesen. Im übrigen weine er der Slowakei keine Träne nach.

Nun käme er zu dem, was ihn am meisten bewege, zu dem Schicksal seines Volkes. Er glaube, daß gerade der Führer ihn verstände, wenn er der Ansicht sei, daß die Tschechoslowakei das Recht habe, ein nationales Leben leben zu wollen. Die geographische Lage der Tschechoslowakei verlange selbstverständlich das beste Verhältnis zu Deutschland. Dieses sei die Grundlage eines nationalen Eigenlebens. Diese Überzeugung teile der größte Teil des tschechischen Volkes. Es gäbe natürlich Ausnahmen, aber man müsse bedenken, daß die neue Tschechoslowakei erst seit 6 Monaten existiere. Es würde der Tschechoslowakei vorgeworfen, daß es dort noch viele Anhänger des Benesch-Systems gäbe. Aber diejenigen, die man nennt, sind es gar nicht. Nur in journalistischen Kreisen habe dieses System noch Freunde. Die Regierung trachte mit allen Mitteln, sie mundtot zu machen. Dieses sei so ziemlich alles, was er vortragen wolle.

Der Führer antwortet, indem er sein Bedauern darüber ausspricht, daß er dem Staatspräsidenten diese Reise habe zumuten müssen. Aber heute morgen sei er nach langem Überlegen zu der Überzeugung gekommen, daß diese Reise trotz des hohen Alters des Staatspräsidenten für sein Land von großem Nutzen sein könnte, da es nur noch Stunden seien, bis Deutschland eingreife. Das Deutsche Reich empfinde grundsätzlich keine Feindschaft zu irgendwelchen anderen Nationen. Nationen, die uns nichts zuleide tun, sind uns lieb oder zum mindesten uninteressant. Das deutsche Volk empfinde auch keinen Haß gegen die Tschechoslowakei. Die Tschechoslowakei aber habe uns gegenüber eine ganz andere Einstellung. Der Führer nennt verschiedene Beispiele, bei denen diese Einstellung bei großen politischen Ereignissen in Erscheinung getreten sei, z. B. während der Rheinlandbesetzung. Die Tschechoslowakei habe damals eine Note an Frank-reich gerichtet, in welcher sie mitteilte, daß, wenn dieses Land militärische Schritte gegen Deutschland unternehmen würde, die Tschechoslowakei auch bereit sei, mitzutun. Dieses habe die Tschechoslowakei getan, obwohl es sich um urdeutsches Gebiet gehandelt habe. Dieselbe Gesinnung habe sie noch oft gezeigt, z. B. Italien gegenüber während des Abessinienkonfliktes, usw. 1938 sei die Situation nun unerträglich geworden. Am 28. Mai habe er daher den Entschluß gefaßt, die Konsequenzen zu ziehen. Er stünde keiner Nation mit Feindschaft gegenüber, aber er sei der rücksichtsloseste Verfechter der Rechte des eigenen Volkes, und in diesem Kampfe sei er zu jedem Schritt entschlossen. Er sei hier Frontsoldat, der rücksichtslos und bedenkenlos für seine Überzeugung einsteht und kämpft. Der Restbestand der Tschechoslowakei sei überhaupt nur seiner loyalen Haltung zuzuschreiben. Auf das Risiko hin, sich die Feindschaft des ihm befreundeten Ungarn zuzuziehen, habe er dessen politische Ambitionen abgestoppt und Ungarn gezwungen, so wie Deutschland nur nach ethnographischen Prinzipien das Problem zu lösen, dies, obwohl die verrücktesten Wirtschafts- und Zollsituationen hierdurch entstanden seien. Er habe diese Beschränkungen auf sich genommen, nicht, weil er nicht anders hätte handeln können, sondern weil er der Überzeugung gewesen sei, daß es so recht wäre. Für die anderen Länder sei die Tschechoslowakei nichts anderes gewesen als ein Mittel zum Zweck. London und Paris hätten sich nicht imstande gezeigt, sich für die Tschechoslowakei wirklich einzusetzen.

Die Slowakei sei ihm gänzlich gleichgültig. Hätte sie sich näher an Deutschland (angeschlossen), so wäre dies auch eine Verpflichtung für Deutschland gewesen, und so wäre er froh, daß er diese jetzt nicht hätte. Östlich der Kleinen Karpathen habe er überhaupt keine Interessen. Im Herbst hätte er nicht die letzten Konsequenzen ziehen wollen, weil er geglaubt habe, daß ein Zusammenleben möglich sei, aber damals schon und später auch bei seinen Unterhaltungen mit Chvalkovsky habe er keinen Zweifel gelassen, daß, wenn die Tendenzen Beneschs nicht restlos verschwinden würden, er diesen Staat rücksichtslos zerschlagen würde. Chvalkovsky habe dies damals verstanden und den Führer um Geduld gebeten. Der Führer habe das eingesehen; aber die Monate seien dahingegangen, ohne daß eine Änderung eingetreten sei. Dem neuen Regime sei es nicht gelungen, das alte psychologisch verschwinden zu lassen, das sehe er an der Presse, an der Mundpropaganda, an den Entlassungen der Deutschen und an vielen Handlungen, die für ihn symbolisch für das Gesamtbild seien. Er habe dieses zuerst nicht verstanden, als es ihm aber klar geworden sei, habe er endgültig seine Konsequenzen gezogen, da, wenn die Entwicklung so weitergegangen wäre, in wenigen Jahren das Verhältnis der Tschechoslowakei genau wieder so gewesen wäre, wie es vor sechs Monaten gewesen war. Warum habe die Tschechoslowakei nicht die Armee sofort auf ein vernünftiges Maß reduziert? Eine solche Armee sei eine ungeheure Belastung für einen solchen Staat, denn sie habe nur Sinn, wenn sie den Staat in seiner außenpolitischen Mission unterstütze. Da die Tschechoslowakei aber keine außenpolitische Mission mehr habe, so sei eine solche Armee sinnlos. Er zählt mehrere Beispiele auf, die ihm bewiesen haben, daß der Geist in der Armee sich nicht gewandelt habe. Aus diesem Symptom heraus habe sich bei ihm die Überzeugung gebildet, daß auch die Armee eine Quelle schwerster politischer Belastung für die Zukunft sei. Dazu sei gekommen die zwangsläufige Entwicklung der wirtschaftlichen Notwendigkeiten und weiter die Proteste aus den Volksgruppen, die das Leben so nicht mehr ertragen konnten.

"So sind bei mir am letzten Sonntag die Würfel gefallen. Ich habe mir den ungarischen Gesandten kommen lassen und habe ihm mitgeteilt, daß ich die Hände von diesem Land zurückziehe." Wir stünden nun vor dieser Sachlage, und er habe den Befehl gegeben zum Einmarsch der deutschen Truppen und der Eingliederung der Tschechoslowakei ins Deutsche Reich. Er wolle der Tschechoslowakei die vollste Autonomie und ein Eigenleben geben, mehr als sie es jemals in der österreichischen Zeit genossen habe. Das Verhalten Deutschlands gegenüber der Tschechoslowakei wird sich morgen und übermorgen entscheiden und ist abhängig von der Haltung des tschechischen Volkes und des tschechischen Militärs gegenüber den deutschen Truppen. Er habe in die Regierung kein Vertrauen mehr. Wenn er auch an die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit Hachas und Chvalkovskys glaube, so zweifle er an den Möglichkeiten des Sichdurchsetzens der Regierung im ganzen Volk. Die deutsche Armee sei heute schon ausgerückt und bei einer Kaserne, wo Widerstand geleistet wurde, sei dieser rücksichtslos gebrochen worden, eine andere habe sich beim Auffahren der schweren Artillerie ergeben.

Morgen um 6 Uhr rücke von allen Seiten her die deutsche Armee in die Tschechei ein, und die deutsche Luftwaffe werde die Flughäfen besetzen. Es gäbe zwei Möglichkeiten. Die erste sei die, daß sich das Einrücken der deutschen Truppen zu einem Kampf entwickelt. Dann wird dieser Widerstand mit allen Mitteln mit Brachialgewalt gebrochen. Die andere ist die, daß sich der Einmarsch der deutschen Truppen in erträglicher Form abspielt, dann würde es dem Führer leicht, bei der Neugestaltung des tschechischen Lebens der Tschechoslowakei ein großzügiges Eigenleben, eine Autonomie und eine gewisse nationale Freiheit zu geben.

Wir erlebten im Augenblick einen großen geschichtlichen Wendepunkt. Er wolle die Tschechen nicht quälen und nicht entnationalisieren. Er täte dieses alles auch nicht aus Haß, sondern um Deutschland zu schützen. Wenn im Herbst vorigen Jahres die Tschechoslowakei nicht nachgegeben hätte, so wäre das tschechische Volk ausgerottet worden. Keiner hätte ihn dann daran gehindert. Sein Wille sei, daß das tschechische Volk sich national ausleben solle, und er glaube fest, daß eine Form zu finden sei, in der den tschechischen Wünschen weitgehend entgegengekommen werde. Käme es morgen zum Kampf, so würde der Druck Gegendruck erzeugen. Man würde sich gegenseitig aufreiben, und es sei ihm dann nicht mehr möglich, die versprochenen Erleichterungen zu geben. Die tschechische Armee würde in zwei Tagen nicht mehr existieren. Es würden natürlich auch Deutsche fallen, und dieses würde einen Haß erzeugen, der ihn aus Selbsterhaltungstrieb zwingen würde, keine Autonomie mehr zu gewähren. Die Welt würde keine Miene verziehen. Er habe Mitleid mit dem tschechischen Volk, wenn er die ausländische Presse lese. Sie mache auf ihn den Eindruck, wie sich in einem deutschen Sprichwort zusammenfassen ließe, "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehn."

So lägen die Dinge. In Deutschland gäbe es zwei Richtungen, eine härtere, die keine Konzessionen wolle und in Erinnerung an das Vergangene wünsche, daß die Tschechoslowakei mit Blut niedergerungen würde, und eine andere, deren Haltung seinen eben erwähnten Vorschlägen entspreche.

Dieses sei der Grund, warum er Hacha hierher gebeten habe. Diese Einladung sei der letzte gute Dienst, den er dem tschechischen Volke erweisen könne. Käme es zum Kampfe, so zwinge uns das vergossene Blut auch zum Haß. Aber vielleicht könne auch der Besuch Hachas das Äußerste verhindern. Vielleicht trage er dazu bei, eine Konstruktion zu finden, die für die Tschechoslowakei so weitgehend wäre, wie sie sie im alten Österreich niemals hätte erhoffen können. Sein Ziel sei nur, die nötige Sicherung für das deutsche Volk zu schaffen.

Die Stunden vergingen. Um 6 Uhr würden die Truppen einmarschieren. Er schäme sich beinahe zu sagen, daß auf jedes tschechische Bataillon eine deutsche Division käme. Die militärische Aktion sei eben keine kleine, sondern sie sei in aller Großzügigkeit angesetzt. Er möchte ihm (Hacha) jetzt, raten, sich mit Chvalkovsky zurückzuziehen, um zu besprechen, was zu tun sei.

Hacha sagt, daß für ihn die Situation völlig klar und daß hier jeder Widerstand sinnlos sei. Aber er frage den Führer, wie er es anstellen solle, in vier Stunden das ganze tschechische Volk vom Widerstand zurückzuhalten. Der Führer sagt, er möge sich mit seinen Herren beraten. Die nun rollende Militärmaschine lasse sich nicht aufhalten. Er solle sich an seine Prager Dienststellen wenden. Es sei ein großer Entschluß, aber er sähe die Möglichkeit für eine lange Friedensperiode zwischen den beiden Völkern dämmern. Würde der Entschluß anders sein, so sähe er die Vernichtung der Tschechoslowakei.

Hacha fragt, ob der ganze Zweck des Einmarsches sei, die tschechische Armee zu entwaffnen. Man könne dies ja auch vielleicht auf andere Weise machen.

Der Führer sagt, daß sein Entschluß unwiderruflich sei. Man wisse ja, was ein Entschluß des Führers bedeute. Er sähe keine andere Möglichkeit der Entwaffnung, und fragt die anderen Herren, ob sie seiner Meinung seien, was ihm bestätigt wird. Die einzige Möglichkeit der Entwaffnung der tschechischen Armee sei die durch das deutsche Heer.

Für Hacha sei das heute der schwerste Gang seines Lebens, aber er glaube, daß schon in wenigen Jahren dieser Entschluß als verständlich und in 50 Jahren wahrscheinlich als ein segensreicher angesehen würde.

Hierauf ziehen sich die beiden Tschechen zurück.


Nach der Besprechung zwischen Hacha und Chvalkovsky mit unseren Herren, bei deren Entschluß man sich über die Abfassung der Abmachung klar geworden war, treten die zu Beginn der Aufzeichnung genannten Herren noch einmal zu einer abschließenden Rücksprache im Arbeitszimmer des Führers zusammen. Noch einmal wird ausführlich über die militärische Lage gesprochen, und der Generalfeldmarschall schildert im einzelnen die Situation. Der Führer meint, daß vielleicht an dem einen oder andern Platze die Botschaft Hachas nicht durchgedrungen sei und es dann zu Zusammenstößen führen könnte, daß man aber im großen und ganzen mit einem reibungslosen Einmarsch rechnen dürfe.

Der Führer fährt fort, er glaube, daß trotz aller Bitternis, die durch den Einmarsch und die Besetzung durch das Deutsche Reich hervorgerufen würde, doch langsam die Erkenntnis dämmern werde, daß ein jahrhundertlanges Zusammenleben der beiden Nationen nützlich sei. Die Vorstellung, daß die beiden Völker gegeneinander kämpfen müßten, würde verschwinden. Die Tschechoslowakei sei eingebettet in das Deutsche Reich, und die Vernunft müßte jedem sagen, daß nur ein engstes Zusammenleben die Parole sein müsse. Zudem spiele das Problem der Entnationalisierung keine Rolle, da solche den Deutschen an sich und auch der nationalsozialistischen Ideologie völlig fernliege. Wir wünschen und wollen keine Entnationalisierung. Die einen sollen als Tschechen und wir wollen als Deutsche glücklich leben. Das Deutsche Reich könne auf diesem Gebiet ungeheuer großzügig sein.

Hacha wirft ein, daß diese Äußerung des Führers für ihn von überragender Wichtigkeit sei.

Der Führer fährt fort, daß wir nur wirtschaftlich, militärisch und politisch keinen Gegensatz dulden könnten. Die Tschechei solle ihr eigenes Staatsoberhaupt behalten, und seine Prinzipien, welche er durchsetzen würde, bildeten die Grundlage für eine Befriedung dieses Gebietes auf Jahrhunderte hinaus.

Hacha wirft ein, daß also kein Seelenkauf wie zur österreichischen Zeit auf dem Programm stehe, und fragt, ob wirtschaftlich eine Zollunion geplant sei.

Das erste lehnt der Führer lächelnd ab, das zweite beantwortet der Generalfeldmarschall, indem er die Frage bejaht, denn Deutschland und die Tschechoslowakei seien ein Wirtschaftsraum. Zudem bekäme die Tschechei Aufträge, die ihre Arbeitsleistung sicher verdoppeln würden. Der Führer sagt, daß das tschechoslowakische Volk wirtschaftlich durch den Anschluß an Deutschland gewinnen würde, indem es an dem großen deutschen Wirtschaftsraum teilhaben würde. Er wolle die tschechische Wirtschaft nicht vernichten, sondern ungeheuer beleben. Hacha fragt, ob hierfür genaue Richtlinien bereits festlägen.

Der Führer antwortet, daß diese Angelegenheit einer Wirtschaftskommission sei, denn auch für ihn sei die ganze Sache überraschend gekommen. Vor ein paar Wochen hätte er von der ganzen Angelegenheit noch nichts gewußt. Er erzählte noch einmal von der damaligen Zeit und der Taktik Beneschs und schließlich vom 28. Mai, an dem er seinen Entschluß, zu handeln, einem engen Kreise bekanntgegeben habe. Der Führer schließt ab mit dem Bemerken, daß die Regelung, die nun getroffen würde, endgültig, tragbar und eindeutig sein müßte. Auf jeden Fall bekämen die Tschechen mehr Rechte, als sie jemals den Deutschen auf ihrem Gebiet gegeben hätten.

Hierauf wird das Abkommen von dem Führer, dem Reichsaußenminister, Hacha und Chvalkovsky unterzeichnet.

gez. Hewel





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© Jürgen Langowski 2017