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01.03.1940

Weisung für den "Fall Weserübung"



1. Die Entwicklung der Lage in Skandinavien erfordert es, alle
Vorbereitungen dafür zu treffen, um mit Teilkraften der Wehrmacht
Dänemark und Norwegen zu besetzen ("Fall Weserübung"). Hierdurch
soll englischen Übergriffen nach Skandinavien und der Ostsee
vorgebeugt, unsere Erzbasis in Schweden gesichert und für
Kriegsmarine und Luftwaffe die Ausgangsstellung gegen England
erweitert werden.

Kriegsmarine und Luftwaffe fällt im Rahmen der gegebenen
Möglichkeiten die Sicherung des Unternehmens gegen das Eingreifen
englischer See- und Luftstreitkräfte zu.

Die für den "Fall Weserübung" einzusetzenden Kräfte werden im
Hinblick auf unsere militärpolitische Stärke gegenüber den
nordischen Staaten so schwach als möglich gehalten. Ihre
zahlenmäßige Schwäche muß durch kühnes Handeln und überraschende
Durchführung ausgeglichen werden. Grundsätzlich ist anzustreben,
der Unternehmung den Charakter einer friedlichen Besetzung zu
geben, die einen bewaffneten Schutz der Neutralität der
nordischen Staaten zum Ziel hat. Entsprechende Forderungen werden
mit Beginn der Besetzung den Regierungen übermittelt werden.
Flotten- und Luftdemonstrationen werden erforderlichenfalls den
nötigen Nachdruck geben. Trotzdem auftretender Widerstand ist
unter Einsatz aller militärischen Mittel zu brechen.

Mit der Vorbereitung und Führung des Unternehmens gegen Dänemark
und Norwegen beauftrage ich den Kommandierenden General des XXI.
A.K., General d. Inf. v. Falkenhorst (Befehlshaber der "Gruppe
XXI").

Dieser untersteht mir in Führungsfragen unmittelbar. Der Stab ist
aus allen drei Wehrmachtsteilen zu ergänzen.

Die für "Fall Weserübung" zur Verfügung zu stellenden Kräfte
werden gesondert befohlen. Über sie darf für andere
Kriegsschauplätze nicht verfügt werden.

Die Kräfte der Luftwaffe werden zur Durchführung der "Weserübung"
der Gruppe XXI taktisch unterstellt. Sie treten nach Beendigung
ihrer Aufgabe unter den Befehl des 0. d. L. zurück. Der Einsatz
der von Kriegsmarine und Luftwaffe unmittelbar geführten Kräfte
hat in engem Einvernehmen mit dem Befehlshaber der Gruppe XXI zu
erfolgen.

Die Versorgung der zur Gruppe XXI abgestellten Kräfte ist durch
die Wehrmachtteile nach den Anforderungen des Befehlshabers
sicherzustellen.

3. Grenzübertritt gegen Dänemark und Landung in Norwegen haben
gleichzeitig zu erfolgen. Die Unternehmungen sind mit größtem
Nachdruck so schnell als möglich vorzubereiten. Falls der Feind
die Initiative gegen Norwegen ergreift, müssen eigene
Gegenmaßnahmen sofort ausgelöst werden können.

Von größter Bedeutung ist, daß unsere Maßnahmen die nordischen
Staaten wie die Westgegner überraschend treffen. Dem haben alle
Vorbereitungen, insbesondere die Art der Bereitstellung des
Laderaums und der Truppen, ihre Einweisung und ihre Verladung
Rechnung zu tragen.

Können Vorbereitungen für die Verschiffung nicht mehr
geheimgehalten werden, sind Führern und Truppen andere Ziele
vorzutäuschen. Der Truppe dürfen die wahren Ziele erst nach dem
Auslaufen bekannt werden.

4. Besetzung Dänemarks: ("Weserübung Süd").

Aufgabe der Gruppe XXI: Überraschende Besetzung von Jütland und
Fünen, anschließend Besetzling von Seeland.

Hierzu ist unter Sicherung der wichtigsten Punkte möglichst
schnell bis Skagen und bis zur Ostküste von Fünen durchzustoßen.
In Seeland sind als Ausgangsstellungen für die spätere Besetzung
frühzeitig Stützpunkte in Besitz zu nehmen.

Die Kriegsmarine stellt Kräfte zur Sicherung der Verbindung
Nyborg-Korsoer und zur raschen Besitznahme der Kleinen-Belt
Brücke, nötigenfalls auch zu Truppenlandungen, zur Verfügung.
Sie bereitet ferner die Küstenverteidigung vor.

Von der Luftwaffe sind Fliegerverbände in erster Linie zu
Demonstrationszwecken und für Flugblattabwurf vorzusehen. Die
Ausnutzung der dänischen Bodenorganisation sowie die
Luftverteidigung sind sicherzustellen.

5. Besetzung Norwegens: ("Weserübung Nord").

Autgabe der Gruppe XXI: Überraschende Besetzung der wichtigsten
Küstenplätze von See her und durch Luftlandeuntemehmen.

Die Kriegsmarine übernimmt Vorbereitung und Durchführung des
Seetransportes der Landungstruppen und der im weiteren Verlauf
nach Oslo nachzuführenden Kräfte.

Sie sichert den Nachschub auf dem Seewege dahin. Der
beschleunigte Ausbau des Küstenschutzes in Norwegen ist
vorzubereiten.

Die Luftwaffe hat nach erfolgter Besetzung die Luftverteidigung
sowie die Ausnutzung der norwegischen Basis für die
Luftkriegführung gegen England sicherzustellen.

6. Gruppe XXI meldet OKW laufend Stand der Vorbereitungen und
legt eine zeitlich geordnete Übersicht über den Ablauf der
Vorbereitungen vor. Dabei ist die Mindestzeitspanne, die zwischen
Befehlsausgabe zum "Fall Weserübung" und der Durchführung liegen
muß, anzugeben. Beabsichtigter Gefechtsstand ist zu melden.

Decknamen: Wesertag = Tag des Unternehmens
Weserzeit = Uhrzeit des Unternehmens

                                    (gez.) Adolf Hitler




Quellen:

  1. H. A. Jacobsen, Externer LinkDer Weg zur Teilung der Welt, S. 59f
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