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20.02.1933

Hitlers und Görings Ansprachen vor Industriellen im Berliner Reichstagspräsidentenpalais

[Auszüge aus einer Mitschrift]

Die Revolution, die uns das Jahr 1918 brachte, war nur bedingt. Sie brachte uns jedenfalls nicht die Umwälzungen wie in Rußland, sondern nur eine neue Geisteswelt, die langsam die Auflösung des Bestehenden einleitete. Das Wort Bismarcks: "Der Liberalismus ist der Schrittmacher der Sozialdemokratie" ist jetzt bei uns wissenschaftlich begründet und bewiesen. Eine bestimmte Geisteswelt - Geistesrichtung - kann ungewollt, kann ungeahnt zur Auflösung der Grundlagen des Staates führen. Auch bei uns hat eine neue Geistesrichtung Boden gewonnen, die langsam zu einer inneren Zersetzung führte und Schrittmacher des Bolschewismus wurde.

Privatwirtschaft im Zeitalter der Demokratie ist nicht aufrechtzuerhalten; sie ist nur denkbar, wenn das Volk eine tragende Idee von Autorität und Persönlichkeit besitzt. Alles, was in der Welt an Positivem, an Gutem und Wertvollem auf dem Gebiete der Wirtschaft und Kultur geschaffen worden ist, beruht ganz allein auf der Bedeutung der Persönlichkeit. Wird die Verteidigung des Geschaffenen, seine politische Verwaltung, aber einer Majorität überantwortet, so geht es rettungslos unter. Alle Lebensgüter, die wir besitzen, verdanken wir dem Kampfe von Auserlesenen. [...]

Vielfach sagt man ja, der Kommunismus sei die Endstufe der Menschheit. Ich bin gerade entgegengesetzter Ansicht: er ist der Ausgangspunkt menschlicher Entwicklung. Er stellt die primitivste Form menschlichen Lebens dar. Je tiefer man in die Natur hinabsteigt, um so einander ähnlicher werden ihre Leistungen, sie werden, wie beim Kommunismus, immer gleichartiger. Das kommunistische Prinzip läßt sich nicht halten. Es ist auch nicht ein Spiel des Zufalls, daß der eine Mensch mehr leistet als der andere. In dieser Tatsache wurzelt der Begriff des Privateigentums, der langsam in den allgemeinen Rechtsbegriff übergegangen ist und zu einem komplizierten Vorgang des wirtschaftlichen Lebens geworden ist. Der Weg, den wir zu gehen haben, ist klar vorgezeichnet. Es genügt aber nicht zu sagen: Wir wollen keinen Kommunismus in der Wirtschaft. Gehen wir politisch den Weg weiter wie bisher, dann gehen wir zugrunde. Wirtschaft und Politik lassen sich, das haben wir in den vergangenen Jahren genugsam erfahren, nicht trennen. Die politische Durchführung des Kampfes ist das primär Entscheidende. Deshalb müssen auch politisch klare Verhältnisse geschaffen werden. Wie die Wirtschaft allein nicht das Deutsche Reich geschaffen hat, hat auch die Politik nicht die Wirtschaft geschaffen. Aber eins baute auf dem anderen immer höher auf. [...]

Wir stehen jetzt vor der letzten Wahl. Sie mag ausfallen wie sie will, einen Rückfall gibt es nicht mehr, auch wenn die kommende Wahl keine Entscheidung bringt. So oder so, wenn die Wahl nicht entscheidet, muß die Entscheidung eben auf einem anderen Wege fallen. Ich bin dafür eingetreten, daß man dem Volke noch einmal Gelegenheit geben soll, selbst über sein Schicksal zu entscheiden. [...] Bringt die Wahl keine Lösung, gut. Deutschland wird nicht zugrunde gehen. Wie nie zuvor obliegt heute allen die Verpflichtung, sich für den Erfolg einzusetzen. Nie ist die Notwendigkeit, Opfer zu bringen, größer als dieses Mal gewesen. Für die Wirtschaft habe ich nur den einen Wunsch, daß sie parallel mit dem inneren Aufbau einer ruhigen Zukunft entgegengeht. Die Frage der Herstellung der Wehrmacht wird nicht in Genf [auf der Abrüstungskonferenz], sondern in Deutschland entschieden werden, wenn wir durch innere Ruhe zur inneren Kraft gekommen sind. Innere Ruhe gibt es aber nicht eher, als bis der Marxismus erledigt ist. Hier liegt die Entscheidung, der wir entgegengehen müssen und ist der Kampf auch noch so schwer. Ich setze für den Kampf tagtäglich mein Leben ein wie alle diejenigen, die sich mit mir in diesen Kampf gestellt haben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder ein Zurückdrängen des Gegners auf dem Boden der Verfassung und zu diesem Zwecke noch einmal diese Wahl, oder es wird ein Kampf mit anderen Waffen geführt werden, der vielleicht größere Opfer fordert. Ich möchte sie gern vermieden sehen. Hoffentlich erkennt also das Deutsche Volk die Größe der Stunde, sie entscheidet über die nächsten 10, ja vielleicht 100 Jahre. Sie wird ein Wendepunkt der deutschen Geschichte werden, für den ich mich mit glutvoller Energie einsetze.

Goering: Auch er rechne damit, daß mit der politischen Befriedigung auch die Wirtschaft zur Ruhe kommen werde. Experimente würden nicht gemacht. Um aber zum Ziele zu kommen, müssen am 5. März alle Kräfte aufgeboten werden. [...] Die inneren politischen Widerstände seien zum größten Teil ausgeräumt. [...] Die heute vorhandene Einigung [mit anderen sinnesverwandten Gruppen] müßte aber noch vertieft werden. Wie auch die Wahl ausfalle, die Kräfteverteilung [zwischen NSDAP und DNVP] solle dieselbe bleiben. In dem bevorstehenden Kampf hat jeder an seiner Stelle zu wirken. Die Deutschnationalen werden da angreifen, wo Erfolge für die Nationalsozialisten nicht mehr zu erzielen sind. Andererseits wird den Nationalsozialisten eine Arbeit aufgegeben, die für die anderen aussichtslos ist. Ohne Zweifel haben wir die meiste Arbeit zu leisten, denn wir müssen mit unseren S.A.-Leuten in die dunkelsten Quartiere der Großstädte vordringen und dort von Mund zu Mund wirken und um jede einzelne Seele kämpfen.

Goering ging ziemlich eingehend auf die großen mit diesem Wahlkampf verbundenen Gefahren ein. Er leitete dann sehr geschickt über zu der Notwendigkeit, daß andere nicht im politischen Kampf stehende Kreise wenigstens die nun mal erforderlichen finanziellen Opfer bringen müßten. Sie seien umso notwendiger, da das Geld der Steuerzahler auch nicht mit einem Pfennig in Anspruch genommen werde. Staatsmittel würden nicht verwandt. Das erbetene Opfer würde der Industrie sicherlich umso leichter fallen, wenn sie wüßte, daß die Wahl am 5. März die letzte sicherlich innerhalb 10 Jahren, voraussichtlich aber in 100 Jahren sei.





Quellen:

  1. Hitlers Machtergreifung
    Hrsg. Josef und Ruth Becker
    dtv 2938, S. 83f.
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© Jürgen Langowski 2017