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9.10.1942

Vertrauliche Informationen aus der Parteikanzlei

Im Zuge der Arbeiten an der Endlösung der Judenfrage werden 
neuerdings innerhalb der Bevölkerung in verschiedenen Teilen des 
Reichsgebiets Erörterungen über "sehr scharfe Maßnahmen" gegen 
die Juden besonders in den Ostgebieten angestellt. Die 
Feststellungen ergaben, daß solche Ausführungen - meist in 
entstellter und übertriebener Form - von Urlaubern der 
verschiedenen im Osten eingesetzten Verbände weitergegeben 
werden, die selbst Gelegenheit hatten, solche Maßnahmen zu 
beobachten.

Es ist denkbar, daß nicht alle Volksgenossen für die Notwendigkeit 
solcher Maßnahmen das genügende Verständnis aufzubringen 
vermögen, besonders nicht die Teile der Bevölkerung, die keine 
Gelegenheit haben, sich aus eigener Anschauung ein Bild von dem 
bolschewistischen Greuel zu machen.

Um jeder Gerüchtebildung in diesem Zusammenhang, die oftmals 
bewußt tendenziösen Charakter trägt, entgegentreten zu können, 
werden die nachstehenden Ausführungen zur Unterrichtung über den 
derzeitigen Sachstand wiedergegeben:

Seit rund 2000 Jahren wurde ein bisher vergeblicher Kampf gegen 
das Judentum geführt. Erst seit 1933 sind wir daran gegangen, 
nunmehr Mittel und Wege zu suchen, die eine völlige Trennung des 
Judentums vom deutschen Volkskörper ermöglichen. Die bisher 
durchgeführten Lösungsarbeiten lassen sich im wesentlichen wie 
folgt unterteilen:

1. Zurückdrängung der Juden aus den einzelnen Lebensgebieten des 
deutschen Volkes.

Hier sollen die durch den Gesetzgeber erlassenen Gesetze das 
Fundament bilden, das die Gewähr dafür bietet, auch die künftigen 
Generationen vor einem etwaigen neuerlichen Überfluten durch den 
Gegner zu schützen.

2. Das Bestreben, den Gegner aus dem Reichsgebiet völlig 
hinauszudrängen.

In Anbetracht des dem Deutschen Volk zur Verfügung stehenden nur 
eng begrenzten Lebensraumes hoffte man, dieses Problem im
wesentlichen durch Beschleunigung der Auswanderung der Juden 
zu lösen.

Seit Beginn des Krieges 1939 wurden diese
Auswanderungsmöglichkeiten in zunehmendem Maße geringer, zum 
anderen wuchs neben dem Lebensraum des Deutschen Volkes sein 
Wirtschaftsraum stetig an, so daß heute in Anbetracht der großen 
Zahl der in diesen Gebieten ansässigen Juden eine restlose 
Zurückdrängung durch Auswanderung nicht mehr möglich ist. Da 
schon unsere nächste Generation diese Frage nicht mehr so 
lebensnah und auf Grund der ergangenen Erfahrungen nicht mehr 
klar genug sehen wird und die nun einmal ins Rollen gekommene 
Angelegenheit nach Bereinigung drängt, muß das Gesamtproblem noch 
von der heutigen Generation gelöst werden.

    Es ist daher die völlige Verdrängung bzw. Ausscheidung
    der im europäischen Wirtschaftsraum ansässigen Millionen von
    Juden ein zwingendes Gebot im Kampf um die Existenzsicherung
    des deutschen Volkes.

Beginnend mit dem Reichsgebiet und überleitend auf die übrigen in 
die Endlösung einbezogenen europäischen Länder werden die Juden 
laufend nach dem Osten in große, zum Teil vorhandene, zum Teil 
noch zu errichtende Lager transportiert, von wo aus sie entweder 
zur Arbeit eingesetzt oder noch weiter nach dem Osten verbracht 
werden. Die alten Juden sowie Juden mit hohen 
Kriegsauszeichnungen (E.K.I., Goldene Tapferkeitsmedaille usw.) 
werden laufend nach der im Protektorat Böhmen und Mähren 
gelegenen Stadt Theresienstadt umgesiedelt.

Es liegt in der Natur der Sache, daß diese teilweise sehr 
schwierigen Probleme im Interesse der endgültigen Sicherung 
unseres Volkes nur mit rücksichtsloser Härte gelöst werden 
können.




Quelle:

  1. Peter Longerich
    Externer LinkDie Ermordung der europäischen Juden
    München, 1989
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© Jürgen Langowski 2017