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Otto Ohlendorf

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Eidesstattliche Erklärung (1)

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EIDESSTATTLICHE ERKLAERUNG[1]



Ich, Otto  O h l e n d o r f , schwoere sage aus und erklaere :


     1. Die Einsatzgruppen fuer den Ostfeldzug (Russland 1941) ent-
standen aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Chef der Sicher-
heitspolizei und Sicherheitsdienst auf der einen Seite und den
Chefs vom OKW und OKH auf der anderen Seite. Nach meiner Erinnerung
war diese Vereinbarung unterschrieben von HEYDRICH und einem Ver-
treter des OKH. Aufgrund dieser Vereinbarung zwischen dem Chef der
Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, dem OKW und OKH
sollten die Einsatzgruppen die Politische Sicherung der Frontge-
biete übernehmen, die bis zum Russlandfeldzug die Heeresverbaende
selbst durchgefuehrt hatten. Die Geheime Feldpolizei sollte sich
nur noch mit der Sicherung innerhalb der eigenen Truppe befassen.

     2. Diese Vereinbarung trat nach meiner Erinnerung ungefaehr
drei Wochen vor beginn des Russlandfeldzuges in Kraft und zwar wie
folgt :

     a) Der Chef der SIPO und des SD stellte eigene motorisierte,
militante Einheiten in Form von Einsatzgruppen auf, die in Einsatz-
kommandos und Sonderkommandos untergeteilt waren und in ihrer Ge-
samtheit den Heeresgruppen beziehungsweise Armeen zugeteilt werden
sollten.


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Chef der Einsatzgruppen war der Beauftragte des Chefs der SIPO und
des SD, der den Oberbefehlshabern der Heeresgruppen beziehungsweise
Armeen zugeteilt war.

     b) Dass die Armeen oder Heeresgruppen die Einsatzgruppen mit
Quartier, Verpflegung, Reparatur, Benzin und aehnlichem auszustatten
haben. Jeder Heeresgruppe und der 11. Armee, letztere als Kernpunkt
einer weiteren Heeresgruppe für den Kaukasus, wurde eine Einsatz-
gruppe zugeteilt, die wiederum in Einsatzkommandos und Sonder-
kommandos untergeteilt war.

     3. Es gab waehrend des Russlandfeldzuges vier Einsatzgruppen,
die die Buchstabenbezeichnung A, B, C und D fuehrten. Das Operations-
gebiet jeder Einsatzgruppe wurde durch die Tatsache bestimmt, dass
die Einsatzgruppe einer bestimmten Heeresgruppe oder Armee zugeteilt
war und mit dieser marschierte. Die Einsatzkommandos beziehungsweise 
die aus ihnen gebildeten Sonderkommandos wurden jeweils in den ihnen 
von den Heeresgruppen beziehungsweise Armeen angewiesenen Raeumen 
eingesetzt. Die Einsatzkommandos wurden aufgeteilt in Sonderkomman-
dos, um bei der Groesse des zu bearbeitenden Raumes mehr kleinere
Einheiten zur Verfuegung zu haben.

Die Operationsgebiete der Einsatzgruppen waren wie folgt:

Die Einsatzgruppe A arbeitete aus dem Zentrum Lettland, Litauen und 
Estland nach dem Osten zu.

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Die Einsatzgruppe B war in Richtung auf Moskau angesetzt im
suedlichen Anschluss an die Einsatzgruppe A.
Einsatzgruppe C hatte die Ukraine ausschliesslich der Teile, die
die Einsatzgruppe D bearbeitete. In spaeterer zeit, als die Ein-
satzgruppe D zum Kaukasus vorrueckte, bearbeitete die Einsatz-
gruppe C die gesamte Ukraine, soweit sie nicht unter Zivilverwal-
tung stand.
Einsatzgruppe D hatte die Ukraine suedlich der Linie Czernowitz,
Mogilew-Podolsk, Ananjew, Nikolajew, Melitopol, Mariuipol,
Taganrog, Rostow. Dieses Gebiet schloss ebenfalls die Krimhalbinsel
mit ein. In spaeterer Zeit arbeitete Einsatzgruppe D im Kaukasusge-
biet.

     4. Saemtliche Einsatzgruppen bestanden aus einer Anzahl von
Einsatzkommandos und Sonderkommandos. Zum Beispiel Einsatzgruppe D,
deren Chef ich war, hatte die Sonderkommandos 10a, 10b, 11a, 11b
und Einsatzkommando 12.

     5. Der Personalbestand der Einsatzgruppen wechselte. Er bestand
ueblicherweise aus einer Gesamtzahl vn 500 bis 800 Mann. Einsatz-
gruppe D gehoerte zu den kleineren Einsatzgruppen. Die Fuehrer und
Unterfuehrer der Kommandos bestanden aus Kommandierten der Staats-
polizei, Kriminalpolizei und im geringeren Masse vom Sicherheits-
dienst. Die Mannschaften waren ausserdem ergaenzt durch Notdienst-

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verpflichtete und aus Kompanien der Waffen SS und Ordnungspolizei.

     6. Die Einsatzgruppenb hatten folgende Aufgaben : Sie waren
verantwortlich fuer alle politischen Sicherheitsaufgaben innerhalb
des Operationsgebietes der Heeresverbaende, zu denen sie zugeteilt
waren und der rueckwaertigen Heeresgebiete, sofern die letzteren
nicht der Zivilverwaltung unterstanden. Ferner hatten sie die Auf-
gabe, die eroberten Gebiete von Juden, kommunistischen Funktionaeren
und Agenten zu reinigen. Die letztgenannte Aufgabe sollte durch
die Toetung aller erfassten, rassisch und politisch unerwuenschten
Elemente geloest werden, die als die Sicherheit gefaehrdend be-
zeichnet waren. Es ist mir bekannt, dass die Einsatzgruppen zum
Teil in der Bandenerkundung, der Bandenbekaempfung und im militae-
rischen Einsatz eingesetzt waren und nach Wegfall ihrer ursprueng-
lichen Aufgaben zum Teil zu Kampfeinheiten umgewandelt wurden.
Alle Befehle, die die taktische und strategische Situation oder
Interessengebiete der Heeresgruppen beziehungsweise Armeen betrafen,
kamen von dem Befehlshaber, dem Chef des Stabes beziehungsweise
Abwehroffizier der Armee oder Heeresgruppe, der die Einsatzgruppe
zugeteilt war. Befehle in Bezug auf Bereinigung von unerwuenschten
Elementen gingen an die Einsatzkommandos unmittelbar und kamen vom
Reichsfuehrer SS selbst oder ueber Weitergabe durch HEYDRICH. Die
Oberbefehlshaber waren durch HITLER angewiesen, die Durchfuehrung
dieser Befehle zu unterstuetzen. Durch den sogenannten Kommissarbe-
fehl hatten die Heeresverbaende politische Kommissare und sonstwie

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bezeichnete unerwuenschte Elemente selbst auszusondern und den
Einsatzkommandos zwecks Toetung zu uebergeben. Die Aussonderung
dieser Elemente aus den Kriegsgefangenenlagern war durch Ausfuehrung
bestimmungen des OKH an die Heeresverbaende entsprechend ergaenzt.
Die Taetigkeit der Einsatzgruppen und ihrer Einsatzkommandos
vollzog sich ausschliesslich im Hoheitsbereich der Oberbefehls-
haber der Heeresgruppen beziehungsweise Armeen unter deren Ver-
antwortung.

      7. Die Berichte der Einsatzgruppen gingen an die Armeen
beziehungsweise Heeresgruppen und an den Chef der SIP und SD.
An den Chef der SIP und des SD wurden normalerweise woechent-
lich oder zweiwoechentlich Meldungen durch Funksprueche durchge-
geben und schriftliche Berichte etwa monatlich nach Berlin ge-
sandt. Die Heeresgruppen beziehungsweise Armeen wurden laufend
ueber die Sicherheitslage in ihrem Bereich und sonstige ak-
tuelle Probleme unterrichtet. Die Berichte nach Berlin gingen
an den Chef der SIPO und SD im Reichssicherheitshauptamt. Nach
Gruendung des Kommandostabes des Chefs der SIP und SD etwa im
Mai 1942 bearbeitete dieser nachher die Berichte. Der Kommando-
stab bestand grundsaetzlich aus Gruppenfuehrer MUELLER, Chef Amt
IV und Obersturmbannfuehrer NOSKE, Gruppenleiter im Amt IV, denen
zur Abstimmung der Berichterstattung Sachbearbeiter aus den Aemtern

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III, IV und VI zur Verfuegung standen. Fragen, die das Personal der
Gruppe wie Standorte betrafen, kamen zum Amt I. Verwaltungsfragen
und Ausruestungsfragen wurden vom Amt II bearbeitet. Nachrichten
ueber die Lebensgebiete (SD) gingen an das Amt III. Der Amtschef IV
bekam Berichte ueber die allgemeine Sicherheitslage, einschliesslich
der Juden und Kommunisten. Nachrichten aus den unbesetzten russi-
schen Gebieten gingen an das Amt VI.

      Ich habe obige Aussage, bestehend aus sechs (6) Seiten in
      deutscher Sprache gelesen und erklaere, dass diese die volle
      Wahrheit nach meinem besten Wissen und Glauben ist. Ich hatte
      Gelegenheit, Aenderungen und Berichtigungen in obiger Erklae-
      rung zu machen. Diese Aussage habe ich freiwillig gemacht,
      ohne jedwedes Versprechen auf Belohnung und war keinerlei
      Zwang oder Drohung ausgesetzt.
      
      Nuernberg, den 24. April 1947          [Unterschrift]
                                             Otto Ohlendorf
                                             

      Before me, Rolf Wartenberg, D-090064, a U.S. Civilian appeared
      Otto Ohlendorf, to me known, who in my presence signed the
      foregoing "Eidesstattliche Erklaerung" (statement) consisting
      of six (6) pages in the German language and swore that the
      same was true.
      
      On the 24 th day of April 1947            [Unterschrift]
                                                Rolf Wartenberg




Anmerkung:

  1. Die Formatierung entspricht aus technischen Gründen nicht dem Original.

Quellen:

  1. John Mendelson (Hrsg.)
    Externer LinkThe Holocaust, Selected Documents in Eighteen Volumes, Band 10
    New York/London 1982
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© Jürgen Langowski 2016