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Karl Jonas: Eidesstattliche Erklärung

EIDESSTATTLICHE ERKLAERUNG

Ich, Karl J O N A S, schwoere erklaere und sage aus :[1]

1. Ich bin am 3. August 1909 in GIMINO geboren. Ich besuchte von 1916 bis 1921 die Volksschule und von 1922 bis 1929 die Realschule in WIEN. Dann ging ich zur Polizei. Ich machte als provisorischer Wachmann Dienst und hatte 2 Jahre Schulzeit bei der Polizei in WIEN. Mitte April 1941 wurde ich dem Polizeibataillon 9 zugeteilt. Ich kam nach DUEBEN, wo ich der Einsatzgruppe D zugeteilt wurde. Mit der Einsatzgruppe D bezw. Sonderkommando 11 B blieb ich bis Mitte Dezember 1941, dann kam ich ueber IGLAU nach NORWEGEN, wo ich bis Kriegsende blieb.

2. Im Oktober 1938 trat ich der NSDAP bei; meine Mitgliedsnummer ist ueber 6 Millionen. Am 30.1.1941 wurde ich in die SS ueberfuehrt; Angleichungsdienstgrad zum Polizeihauptmann war Hauptsturmfuehrer.

3. Waehrend meiner Taetigkeit bei der Einsatzgruppe D hatte ich Gelegenheit, einer Exekution beizuwohnen. Im Dezember 1941 erhielt ich den Befehl zur Absperrung der Exekutionsstaette vom Chef des Sonderkommandos 11 B, Dr. Werner BRAUNE. Die Exekutionsstaette lag 10 bis 15 km ausserhalb von SIMFEROPOL. Die zur Hinrichtung bestimmten Leute wurden in Lastwagen zur Exekutionsstaette gefahren. Ich leitete nur am ersten Tag die Absperrungen, die dann von jemand anderem uebernommen wurde. Die abgesperrte Gegend hatte ein Ausmass von ungefaehr einem qkm. Innerhalb der abgesperrten Gegend war ein Panzergraben. Die Lastwagen mit den zur Hinrichtung bestimmten Leute fuhren an mir vorbei. In der Naehe des Grabens wurden sie ausgeladen. Als ich von Zeit zu Zeit meine Absperrungsmannschaften, 10 bis 15 Leute, besichtigte und inspizierte, hatte ich Gelegenheit, ueber den Graben hinueber zu sehen und die versammelten Leute zu beobachten. Am Mittag des gleichen Tages kam ich an die Hin-

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richtungsstaette, dem Panzergraben, der zum Teil mit Leichen, die in liegender Stellung waren, angefuellt war. Waehrend meines Dienstes mit den Absperrungsmannschaften hoerte ich in regelmaessigen Abstaenden Salvenschuesse. Es ist meiner Ansicht ohne Zweifel, dass die Leute, die zum Panzergraben gefahren worden sind, diejenigen waren, deren Leichen ich im Panzergraben liegen sah. Ich sah dann auch die Lastwagen leer zurueckfahren. Das ist die einzige Hinrichtung, die ich mit eigenen Augen sah. Ich hoerte jedoch von einer Anzahl von Hinrichtungen durch Kameraden innerhalb der Einsatzgruppe D.

4. Es ist meine Ansicht, dass Sturmbannfuehrer Willi SEIBERT der Vertreter OHLENDORF's in der Einsatzgruppe D war. OberSturmbannfuehrer Werner BRAUNE war Chef des Sonderkommandos 11 B. Vor BRAUNE kommandierte MUELLER, auf dessen Vornamen ich mich nicht mehr besinnen kann, das Sonderkommando 11 B.

Ich habe obige Erklaerung, bestehend aus zwei (2) Seiten in deutscher Sprache gelesen und erklaere, dass es nach meinem besten Wissen und Glauben die volle Wahrheit ist. Ich hatte Gelegenheit, Aenderungen und Berichtigungen in obiger Erklaerung vorzunehmen. Diese Erklaerung habe ich freiwillig gemacht, ohne jedwedes Versprechen auf Belohnung und ich war keinerlei Drohung oder Zwang ausgesetzt.

Nuernberg, den 3. September 1947
[Unterschrift]
Karl JONAS

Before me, Rolf Wartenberg, D-090064, a U.S. Civilian appeared Karl JONAS, to me known, who in my presence signed the foregoing "Eidesstattliche Erklaerung" (statement) consisting of two (2) pages in the German language and swore that the same was true.

Nuernberg, 30th September 1947
[Unterschrift]
Rolf WARTENBERG

Anmerkung:

Handschriftliche Korrekturen wie von Jonas eingefügt.
Die Formatierung entspricht aus technischen Gründen nicht dem Original.

Quellen:

  1. John Mendelson (Hrsg.)
    The Holocaust, Selected Documents in Eighteen Volumes
    Band 10, S. 194f
    New York/London 1982

Siehe auch:

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