NO-4150

Erich Naumann: Eidesstattliche Erklärung

EIDESSTATTLICHE ERKLAERUNG[1]

Ich, Erich NAUMANN, schwoere, sage aus und erklaere:

1. Ich bin am 29. April 1905 in Meissen (Sachsen) geboren und besuchte die Schule daselbst von 1911 bis 1921. Ich trat dann in eine Firma am gleichen Orte ein, wo ich meine kaufmaennische Lehre machte. Bei meinem Weggang im Jahre 1933 war ich Prokurist der Firma. Im gleichen Jahre kam ich hauptamtlich zum SA Dienst, im Jahre 1935 wurde ich hauptamtlich SS Fuehrer und von 1940 ab Beamter und Polizeifuehreroffizier. Dem SD gehoerte ich seit 1935 an. Ich war zunaechst Abteilungsleiter im damaligen Amt III des SD Hauptamtes unter Brigadefuehrer JOST. Im Juni 1936 kam ich als SD-Abschnittsfuehrer nach Nuernberg und spaeter nach Berlin und hatte vom Oktober 1937 gleichzeitig eine Dienststelle in Stettin als SD-Oberabschnittsfuehrer. Diese Dienststelle wurde durch meinen dortigen Vertreter geleitet. Von Maerz bis August 1938 war ich SD-Ober-Abschnittsfuehrer in Berlin und Inspekteur der Sicherheitspolizei in Berlin. Anschliessend wurde ich als Inspekteur der SIP und SD nach Holland versetzt und blieb dort bis zum JanuarJuni 1944. Von diesem Zeitpunkt bis zum Kriegsende war ich als Inspekteur der SIP und des SD in Nuernberg taetig. Waehrend des Krieges war ich im Frankreicheinsatz vom 29. April 1940 bis zum Maerz 1941 in der Totenkopf-Division in Frankreich; von September bis Mitte Oktober 1939 war ich Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD im Posen und von Ende November 1941 bis Febraur/Maerz 1943 Chef der Einsatzgruppe B in Russland. Nach dem Kriege kam ich vom Auffanglager Alt-Oettingen in das Entlassunglager Cham/Oberpfalz. Bei meiner Entlassung erhielt ich Papiere auf den Namen Rudolf BEEGEN und arbeitete danach bei drei Bauern, zuletzt in Kirchweidach bis zu meiner Verhaftung im April 1947

2. Ich war Mitglied der NSDAP. seit 1929 Meine Mitgliedsnummer ist 170 257. Seit dem Jahre 1935 bin ich Mitglied der SS. Meine Mitgliedsnummer ist 107 496.


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3. Waehrend meiner Taetigkeit als Chef der Einsatzgruppe B wurde ein Teilkommando der Einsatzgruppe 9 auf meinen Befehl als Trupp "Smolensk" umorganisiert. Das Hauptquartier der Einsatzgruppe B war in Smolensk, der Sitz des Einsatzkommandos in Witebsk und das Teilkommando wiederum in Smolensk. Da zu frueherer Zeit die Berichte dieses Teilkommandos erst nach Witebsk und dann zurueck an meinen Gruppenstab kamen, vereinfachte ich die Organisation durch Bildung des Trupps "Smolensk", der nun eine selbstaendige Einheit innerhalb der Einsatzgruppe B war.

4. Mir ist bekannt, dass waehrend meiner Dienstzeit als Chef der Einsatzgruppe B von dieser, bezw. den ihr unterstellten Einsatz- kommandos, Sonderkommandos und anderen Einheiten Exekutionen vor- genommen worden sind. Es ist mir unmoeglich die Gesamtzahl der Exekutionen zu nennen. Ichselbst habe keine direkten Exekutions- befehle mehr geben muessen, da alle diese Anweisungen bereits vom Chef d. Sipo u. SD und meinem Vorgaenger gegeben waren. Ich habe die bereits gegebenen Befehle nicht zurueckgerufen. 5. Die Einsatzgruppe B erhielt vom RSHA. Berlin zwei oder drei Gaswagen, die aber nach kurzer Zeit an die Einsatzgruppe im Sueden weitergeleitet wurden. Soviel ich weiss, sind diese Gaswagen nicht von der Einsatzgruppe B gebraucht worden. 6. Zu meiner Zeit bestanden in dem Gebiet der Einsatzgruppe B keine Getthos mehr. Ich bin auch niemals Zeuge einer Exekution durch Schusswaffe oder durch Gebrauch der Gaswagen gewesen. 7. Mir ist bekannt, dass von den Verwaltungsfuehrern Wertsachen und Geld von den zur Exekution bestimmten Personen eingesammelt worden sind. Das Geld und die Wertsachen wurden an das Finanz- ministerium abgeliefert. 8. Die Einsatzgruppe B berichtete regelmaessig an das RSHA ueber die Ereignisse innerhalb der Einsatzgruppe. Schriftliche Berichte gingen ungefaehr alle drei Wochen nach Berlin und nur kleine Dinge, wie Standortverlegungen, Versetzungen und aehnliche Dinge wurden auf dem Funkwege berichtet. Die Berichte sind von meinem Stabe angefertigt und mir grundaetzlich ueblicherweise vorgelegt worden.


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Ich habe die mir vorliegende Erklaerung, bestehend aus drei Seiten durchgelesen. Ich hatte Gelegenheit, Aenderungen und Berichtigungen vorzunehmen. Ich gab diese Aussage freiwillig und ohne jeden Zwang und ohne Versprechen auf Belohnung. Diese Erklaerung gab ich nach bestem Wissen und Gewissen.

Nuernberg, den 27. Juni 1947
[Unterschift] Erich Naumann

NUREMBERG: Before me, Rolf WARTENBERG an U.S. Civilian AGO # A 090064, Interrogator, Evidence Div., Office Chief of Counsel for War Crimes appeared Erich NAUMANN, to me known and swore that this statement (Eidesstattliche Erklaerung) consisting of three pages in the German language is true on the 27th day of June 1947, Nuremberg/Germany.

[Unterschrift]
Rolf Wartenberg

Anmerkung:

Handschriftliche Korrekturen wie von Naumann eingefügt.
Die Formatierung entspricht aus technischen Gründen nicht dem Original.

Quellen:

  1. John Mendelson (Hrsg.)
    The Holocaust, Selected Documents in Eighteen Volumes
    Band 10, S. 183ff
    New York/London 1982
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