Otto Ohlendorf
Otto Ohlendorf

2620-PS

Otto Ohlendorf: Eidesstattliche Erklärung (2)

EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG[1]

Ich, Otto OHLENDORF, erkläre hiermit an Eidesstatt:

Ich war Chef des Sicherheitsdienstes(SD, Amt III des Büros Hauptamtes des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD (RSHA), von 1939 bis 1945. Im Juni 1941 wurde ich von Himmler ernannt bestimmt, eine der Einsatzgruppen zu fuehren, die damals gebildet wurden, um den deutschen Armeen im russischen Feldzug zu folgen. Ich war der Chef der Einsatzgruppe D. Chef der Einsatzgruppe A war Stahlecker, Chef des Amtes I des Bureaus des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD (RSHA) Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt. Der Chef der Einsatzgruppe B war NEBE, Chef des Amtes V (KRIPO) des Bureaus Hauptamtes des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD (RSHA). Der Chef der Einsatzgruppe C war zuerst Rasch (oder Rasche) und später Thomas.

Himmler erklärte, dass ein wichtiger Teil unserer Aufgabe in der Beseitigung von Juden, Frauen, Maennern und Kindern, und kommunistischen Funktionären bestuende. Ich wurde etwa vier Wochen vorher ueber den Angriff auf Russland benachrichtigt.

Nach einem Abkommen mit dem OKW und dem OKH wurden die Einsatzgruppenkommandos von der Heeresgruppe oder der Armee bestimmten Korps und Divisionen des Heeres zugeteilt. Das Heer bestimmte, in welchem Gebiet die Einsatzgruppenkommandos zu operieren hatten. Alle Fuehrungsweisungen und Befehle fuer die Ausfuehrung von Hinrichtungen kamen vom über den Chef der SIPO und des SD (RSHA) in Berlin. Regelmaessiger Kurierdienst und Radioverbindung bestanden zwischen den Einsatzgruppen und dem Chef der SIPO und des SD.

Die Einsatzgruppen und Einsatzkommandos wurden von Personal der Gestapo, des SD oder der Kriminalpolizei gefuehrt. Die Zusätzliche Mannschaften wurde von der Ordnungspolizei und von der Waffen SS abgezogen gestellt. Einsatzgruppe D bestand aus ungefaehr 400 bis 500 Mann und verfuegte ueber annaehernd 170 Fahrzeuge.


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Als die deutsche Armee in Russland einmarschierte, war ich Fuehrer der Einsatzgruppe D im suedlichen Sektor, und im Laufe des Jahres, waehrend dessen ich Fuehrer der Einsatzgruppe D war, liquidierte sie ungefaehr 90,000 Maenner, Frauen und Kinder. Die Mehrzahl der Liquidierten waren Juden, aber es waren unter ihnen auch einige kommunistischen Funktionaere.

In der Ausfuehrung dieses Vernichtungsprogrammes wurden die Einsatzgruppen in Einsatzkommandos untergeteilt, und die Einsatzkommandos in noch kleinere Einheiten, die sogenannten Sonderkommandos und Teilkommandos. Gewoehnlich wurden die kleineren Einheiten von einem Angehörigen des SD, der GESTAPO oder der Kriminalpolizei gefuehrt. Die dazu ausersehene Einheit pflegte in ein Dorf oder in eine Stadt zu kommen und den fuehrenden juedischen Einwohnern den Befehl zu erteilen, alle Juden zwecks Umsiedlung zusammenzurufen. Sie wurden aufgefordert, alle ihre persoenlichen Habseligkeiten Wertgegenstände den Fuehrern der Einheit zu uebergeben, und kurz vor der Hinsichtung ihre Oberkleidung auszuhaendigen. Die Maenner, Frauen und Kinder wurden danach zu einem Hinrichtungsort gefuehrt, der sich meist neben einem vertieften Panzerabwehrgraben befand. Dann wurden sie erschossen, knieend oder stehend, und die Leichen wurden in den Graben geworfen. Ich habe in der Gruppe D das Erschiessen durch Einzelpersonen nie genehmigt, sondern befohlen, dass mehrere Leute gleichzeitig schiessen sollten, um direkte, persoenliche Verantwortung zu vermeiden. Die Fuehrer der Einheiten oder besonders bestimmte Personen mussten jedoch den letzten Schuss auf solche Opfer abfeuern, die nicht sofort tot waren. Ich erfuhr aus Gespraechen mit anderen Gruppenfuehrern, dass manche von ihnen verlangten, dass die Opfer sich flach auf den Boden legten, um dann durch den Nacken geschossen zu werden. Ich billigte diese Methoden nicht.


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Im Fruehjahr 1942 wurden uns vom Chef der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin TotenGaswagen geschickt. Diese Wagen wurden vom Amt II des RSHA beigestellt. Der Mann, der fuer die Wagen meiner Einsatzgruppe verantwortlich war, war Becker. Wir hatten Befehl erhalten, die Wagen fuer die Toetung von Frauen und Kindern zu benutzen. Jedes Mal wenn eine Einheit eine genuegende Anzahl von Opfern angesammelt hatte, wurde ein Wagen fuer die Liquidierung gesandt. Wir hatten auch diese TotenGaswagen in der Naehe der Durchgangslager stationiert, in die die Opfer gebracht wurden. Den Opfern wurde gesagt, dass sie umgesiedelt werden wuerden und zudiesem Zwecke in die Wagen steigen muessten. Danach wurden die Tueren geschlossen, und das Gas angedreht. durch das Ingangsetzen der Wagen strömte das Gas ein. Die Opfer starben in 10 bis 15 Minuten. Die Wagen wurden dann zum Begraebnisplatz gefahren, wo die Leichen herausgenommen und begraben wurden.

Ich habe den Bericht von STAHLECKER (Dokument L-180) ueber Einsatzgruppe A gesehen, in welchem Stahlecker behauptet, dass seine Gruppe 135,000 Juden und Kommunisten in den ersten vier Monaten der Aktion getoetet hat. Ich kannte Stahlecker persoenlich, und ich bin der Ansicht, dass das Dokument authentisch ist. Man hat mir den Brief bezeigt, den BECKER an RAUFF, den Leiter der Technischen Abteilung vom Amt II, bezueglich der Verwendung dieser TotenGaswagen geschrieben hat. Ich kannte diesen beiden Maenner persoenlich, und ich bin der Ansicht, dass dieser Brief ein authentisches Dokument ist.

[Unterschrift: Ohlendorf]

Von mir unterschrieben und beschworen am 5. November 1945 in Nuernberg, Deutschland.

Anmerkung:

  1. Die Formatierung entspricht aus technischen Gründen nicht dem Original.

Siehe auch:

Quellen:

  1. John Mendelson (Hrsg.)
    The Holocaust, Selected Documents in Eighteen Volumes, Band 10
    New York/London 1982
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