NO-3841

Erwin Schulz: Eidesstattliche Erklärung

Erwin Schulz
Erwin Schulz

Ich, der ehemalige SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Erwin SCHULZ, geb. am 27. November 1900 in Berlin, erkläre hiermit unter Eid folgendes:[1]

1. Ich war von 1923 bis zum Zusammenbruch ohne Unterbrechung im Polizeidienst tätig. Von etwa Ende 1931 bis 1934 war ich Referent in der politischen Abteilung der Polizei in Bremen . Darnach war ich bis Juni 1939 Leiter der Staatspolizeistelle Bremen. In dieser Eigenschaft war ich zeitweilig abkommandiert und zwar auf etwa zwei Monate im Frühsommer 1938 nach Graz, wo ich die Staatspolizeistelle Graz einrichtete und leitete. Im Herbst 1938 richtete ich in Aussig im Sudetengau eine Dienststelle der Staatspolizei ein. 1939 wurde ich mit der Einrichtung und Leitung einer staats- und kriminalpolizeilichen Dienststelle in Olmütz beauftragt.

Von Juni 1939 bis April 1940 war ich Leiter der Staatspolizeistelle in Reichenberg.

Von April 1940 bis März 1941 war ich Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Hamburg. Mein Vertreter war der Leiter der Kriminalpolizeileitstelle in Hamburg, SS-Standartenführer BIERKAMP.

Von März 1941 bis Juni 1942 war ich Kommdandeur der Führerschule der Sicherheitspolizei in Berlin-Charlottenburg, auf der der Führernachwuchs der Staats- und Kriminalpolizei ausgebildet wurde. Gleichzeitig führte ich die Gruppe I b - Schulung und Erziehung - im RSHA.Im Juli 1942 wurde ich Leiter der Gruppe I a - Personalfragen - und gleichzeitig Inspekteur der Schulen der Sicherheitspolizei und des SD.

Im Februar 1943 wurde ich Chef des Amtes I des RSHA.

Von Beginn des Russlandfeldzuges bis Mitte September 1941 war ich Leiter des Einsatzkommandos V der Einsatzgruppe C der Sicherheitspolizei. Chef der Einsatzgruppe C war SSBrigadeführer Dr. Rasch.

Von Mai 1944 bis zum Zusammenbruch war ich Befehlshaber mit Inspekteurbefugnis der Sicherheitspolizei und des SD in Salzburg. Gleichzeitig war ich Vertreter des Höheren SS- und Polizeiführers für den Wehrkreis XVIII, SS-Obergruppenführer ROESSNER für das bandenfreie Gebiet. Im Bandengebiet vertrat ROESSNER der SS-Brigadeführer HARM.

2. Ich bin am 1. Mai 1933 der NSDAP. beigetreten. In Angleichung an meinen Polizeidienstgrad - Hauptmann der Schutzpolizei - wurde ich im April 1935 als SS-Hauptsturmführer in die SS aufgenommen. 1937 wurde ich Sturmbannführer, 1939 Obersturmbannführer, 1940 Standartenführer, 1941 Oberführer und 1942 Brigadeführer und Generalmajor der Polizei.

3. In Graz, Aussig und Olmütz führte ich die allgemeinen sicherheitspolizeilichen Aufgaben, unter anderem Festnahmen von Personen,die im Verdacht deutsch- und staatsfeindlicher Betätigung standen, an Hand vorher in Berlin fertiggestellter Listen durch.

4. Das von mir geleitete Einsatzkommando V der Sicherheitspolizei setzte sich aus etwa 25 Angehörigen der Sicherheitspolizei und des SD, 75 Angehörigen der Ordnungspolizei, 50 Notdienstverpflichteten und Kommandierten der Waffen-SS und 50 Kraftfahrern zusammen.


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Mir unterstellt waren die Kriminalkommandos JUNG, LEHMANN und HUHN, die Teilkommandos meines Einsatzkommandos führten.

Die weiteren zur Einsatzgruppe C gehörigen Einsatzkommandos, nämlich die Einsatzkommandos IV, IV a und VI wurden von SS-Standartenführer BLOBEL, SS-Sturmbannführer HERMAN und SS-Standartenführer KRÖGER geführt. Stabsführer von Dr.RASCH war SS-Sturmbannführer und Regierungsrat HOFFMANN. SS-Obersturmführer und Kriminalkommissar Dr.KRIEGER und der Hauptmann der Ordnungspolizei Krumme gehörten ebenfalls dem Stabe der Einsatzgruppe C an. Als ich Mitte September 1941 abgelöst wurde, übernahm SS-Obersturmbannführer MEYER, ein SD-Angehöriger, die Leitung des Einsatzkommandos V.

5. Die Tätigkeit des Einsatzkommandos V erstreckte sich zu meiner Zeit auf die Gebiete um und in Brody, Dubnow, Berditschev und Skvira.

Die Stadt Lemberg in Polen wurde zuerst von dem Einsatzkommando IV a erreicht, das SS-Sturmbannführer HERMAN führte, der SSBrigadeführer Dr.RASCH unterstellt war. Einige Tage später wurde Lemberg und das ehemalige polnische Gebiet vom Befehlshaber der Sicherheitspolizei Krakau, SS-Brigadeführer Dr.SCHÖNGART übernommen und die Einsatzgruppe C rückte in russisches Gebiet ein.

6. Die Gründe meines Antrages an den damaligen Amtschef I des RSHA und Vertreter des Chefs der Sicherheitspolizei, SS-Gruppenführer STRECKENBACH, mich von der Führung des Einsatzkommandos V zu entbinden, lagen unter anderem in den sich immer mehr verschärfenden Befehlen zur rücksichtslosen Ausrottung der gesamten jüdischen Bevölkerung. SS-Bridageführer DR.RASCH hat sich durch besondere Rücksichtslosigkeit ausgezeichnet. Er liess den Befehl ergehen, dass sich auch die Führer an den Erschiessungen persönlich beteiligen sollten. STRECKENBACH selbst bezeichnete mir gegenüber die Tätigkeit der Einsatzgruppen im Osten als MORD.

7. Etwa 1943 erfuhr ich in meiner Tätigkeit als Amtschef I des RSHA., dass der SS_Standartenführer BLOBEL zu dieser Zeit in den von der Wehrmacht zu räumenden Gebieten die Massengräber der Erschossenen und Liquidierten unkenntlich zu machen hatte. Wenn ich mich recht erinnere, war die Deckbezeichnung für diese Massengräber "Wasserstellen".

Die oben angeführten Tatsachen entsprechen der Wahrheit. Diese Erklärungen sind von mir freiwillig und ohne jeden Zwang abgegeben worden. Ich habe sie durchgelesen, unterschrieben und darnach mit meinem Eide bekräftigt.

OBERURSEL, den 20. Dezember 1945.
[Unterschrift] Erwin SCHULZ

Subscribed and sworn to before me at OBERURSEL/Germany this 20th day of December 1945

Richard A.GUTMAN, 1st Lt,AUS

Anmerkung:

  1. Die Formatierung entspricht aus technischen Gründen nicht dem Original.

Quelle:

  1. John Mendelson (Hrsg.)
    The Holocaust, Selected Documents in Eighteen Volumes
    New York/London 1982
    Band 10, S. 188f
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