ADAP, 15.11.1838

"... die in Zukunft zu erwartende deutsche Betätigung in der Ukraine"

Der Gesandte in Budapest an das Auswärtige Amt
Telegramm
Nr. 174 vom 15.11.

Budapest, den 15. November 1938 17 Uhr 5
Ankunft: 15. November 20 Uhr 30

Reichsverweser, der mich zu sich bat, um mir mit freundlichen Worten im Zusammenhang mit Wiener Schiedsspruch sein Bild zu überreichen, erwähnte im Anschluß daran, daß ihm Problem Karpathen-Rußland Sorge mache. Ungarische Regierung werde bestürmt, den dortigen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten. In diesem Sinne seien 121 bei der Tschechoslowakei verbliebene Gemeinden in Ungvar und bisheriger dortiger Minister Fencik Hiam [sic] vorstellig geworden. Arme Bevölkerung von gebirgigem Restkarpathenrußland sei infolge des Laufes der Flüsse allein auf Ungarn als Absatzgebiet angewiesen. Seinerzeit aus der Ukraine vertriebene und in tschechische Armee eingestellte Truppen mit bolschewistischer Tendenz (Katljura) terrorisieren Bevölkerung.

Nachdem Führer in München Daranyi, der unsinnigen Gerüchten über polnisch-ungarische Blockbildung gegen Deutschland entgegentreten sollte, erklärt hätte, wir seien an Frage Herstellung polnisch-ungarischer Grenze desinteressiert, bestehe Möglichkeit, daß ungarische Truppen, falls etwa in Karpathen-Rußland Explosion erfolge, einmarschieren und dort verblieben bis Selbstbestimmungsrecht Bevölkerung, evtl. durch Entsendung internationaler Truppen für die Zeit der Volksabstimmung, gewährleistet würde. Gebirgiges, von tiefen von Norden nach Süden laufenden Tälern zerschnittenes Karpathen-Rußland sei übrigens keine geeignete Verbindungsstraße für die in Zukunft zu erwartende deutsche Betätigung in der Ukraine, die schon zwecks Zurückdämmung bolschewistischer Gefahr im Zusammenhang mit entsprechendem Vorgehen Italiens und Japans einmal erfolgen müsse.

ERDMANNSDORF

Quellen:

  1. ADAP, Band D4, S. 132
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