Heinrich Himmler

Ein Auftrag an Kaltenbrunner

"Der Stürmer"<br>Antisemitische Propaganda
"Der Stürmer"
Antisemitische Propaganda

Der Reichsführer-SS
Feld-Kommandostelle. Mai 1943

GEHEIM

Tgb. Kr.
RF/V

An den

Chef der Sicherheitspolizei und des SD.
SS-Gruppenführer Dr. Kaltenbrunner

B e r l i n

Lieber Kaltenbrunner!

Von dem Buch "Die jüdischen Ritualmorde" habe ich eine größere Anzahl bestellt und lasse es bis zum Standartenführer verteilen. Ich übersende Ihnen mehrere 100 Stück, damit Sie diese an Ihre Einsatz-Kommandos, vor allem aber an die Männer, die mit der Judenfrage zu tun haben, verteilen können. Ich gebe im Zusammenhang mit diesem Buch folgende Aufträge:

  1. Es sind sofort überall Untersuchungen anzustellen über RituaImorde der Juden, soweit sie noch nicht evakuiert sind. Derartige Fälle sind herauszuziehen und mir vorzulegen. Wir müssen in dieser Richtung dann mehrere Prozesse machen.
  2. Die ganze Ritualmord-Frage ist von Sachverständigen in den Ländern Rumänien, Ungarn und Bulgarien aufzugreifen. Ich denke daran, daß wir diese Ritualmord-Fälle dann in unserer Presse bringen, um damit die Herausnahme der Juden aus den Ländern zu erleichtern. Diese Dinge können selbstverständlich dann nur im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt vor sich gehen.
  3. Überlegen Sie einmal, ob wir nicht in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt einen rein antisemitischen illegalen Sender für England und Amerika machen können. Er müßte gespeist werden mit Material, das - so wie es der Stürmer in der Kampfzeit gemacht hat - den Engländern und Amerikanern serviert wird. Ich halte hier eine sensationelle Aufmachung geradezu für wichtig. Ich bitte, sich mit SS-Gruppenführer Dr. Martin einmal in Verbindung zu setzen, um den einen oder anderen Mitarbeiter des "Stürmer" zu gewinnen.

Außerdem sind sofort Leute einzusetzen, die in England die Gerichtsnachrichten, die Polizei-Ausschreibungen, daß ein Kind vermißt wird, verfolgen und kontrollieren, sodaß wir dann in unseren Sendern entsprechende Kurznachrichten geben können, daß in dem Ort X ein Kind vermißt wurde und es sich wahrscheinlich um einen jüdischen Ritualmord handele.

Insgesamt glaube ich, könnten wir mit einer großen antisemitischen Propaganda, in englischer, vielleicht auch sogar in russischer Sprache auf einer sehr starken Ritualmord- Propaganda den Antisemitismus in der Welt ungeheuer aktivieren.

Ich bitte Sie, diese Dinge einmal mit Ihren Mitarbeitern zu besprechen und schon gewisse Vorbeitungen zu treffen, um mir dann einen Vorschlag zu machen.

Heil Hitler
Ihr
gez. H. Himmler

PS.
Ich bitte ferner, den
Verfasser des Buches
mit hereinzuziehen.

2) Major
Oberstleutnant Suchanek z. Ktsn.

Quelle:

  1. Poliakov/Wulf
    Das Dritte Reich und die Juden
    Frankfurt/M., Berlin 1983, S. 359f
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