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4.11.1941

Erschießungen in Pancevo

Geheim

Infanterie Regiment 734                        den 4. November 1941
Br. B. Nr. 437/41 geh. Ia
Der 704. Infanterie-Division
B e t r.: Sühnemaßnahmen
	1 Anlage


In der Anlage überreicht das Rgt. einen Bericht des Oblt. Walther
9./I.R. 433, über Erschießungen von Juden und Zigeunern am 27.
und 30.10.1941 mit der Bitte um Kenntnisnahme.

                                                 gez. Unterschrift


                            Geheim

Oberleutnant Walther                         0. U., den 1. 11. 1941
Chef 9./I.R. 433


Bericht über die Erschießung von Juden und Zigeunern


Nach Vereinbarung mit der Dienststelle der SS holte ich die
ausgesuchten Juden bzw. Zigeuner vom Gefangenenlager Belgrad ab.
Die Lkws der Feldkommandantur 599, die mir zur Verfügung standen,
erwiesen sich als unzweckmäßig aus zwei Gründen:

1. Werden sie von Zivilisten gefahren. Die Geheimhaltung
   ist dadurch nicht sichergestellt.

2. Waren sie alle ohne Verdeck oder Plane, so daß die Bevölkerung
   der Stadt sah, wen wir auf den Fahrzeugen hatten und wohin wir
   dann fuhren. Vor dem Lager waren Frauen der Juden versammelt,
   die heulten und schrien als wir abfuhren.

Der Platz, an dem die Erschießung vollzogen wurde, ist sehr
günstig. Er liegt nördlich von Pancevo unmittelbar an der Straße
Pancevo-Jabuka, an der sich eine Böschung befindet, die so hoch
ist, daß ein Mann nur mit Mühe hinauf kann. Dieser Böschung
gegenüber ist Sumpfgelände, dahinter ein Fluß. Bei Hochwasser
(wie am 29.10.), reicht das Wasser fast bis an die Böschung. Ein
Entkommen der Gefangenen ist daher mit wenig Mannschaften zu
verhindern. Ebenfalls günstig ist der Sandboden dort, der das
Graben der Gruben erleichtert und somit auch die Arbeitszeit
verkürzt.

Nach Ankunft etwa 1 1/2-2 km vor dem ausgesuchten Platz stiegen
die Gefangenen aus, erreichten im Fußmarsch diesen, während die
Lkw mit den Zivilfahrern sofort zurückgeschickt wurden, um ihnen
möglichst wenig Anhaltspunkte zu einem Verdacht zu geben. Dann
ließ ich die Straße für sämtlichen Verkehr sperren aus
Sicherheits- und Geheimhaltungsgründen.

Die Richtstätte wurde durch 3 IM.G. und 12 Schützen gesichert:

1. Gegen Fluchtversuche der Gefangenen.

2. Zum Selbstschutz gegen etwaige Überfälle von
   serbischen Banden.

Das Ausheben der Gruben nimmt den größten Teil der Zeit in
Anspruch, während das Erschießen selbst sehr schnell geht. (100
Mann 40 Minuten)

Gepäckstücke und Wertsachen wurden vorher eingesammelt und in
meinem Lkw mitgenommen, um sie dann der NSV zu übergeben.

Das Erschießen der Juden ist einfacher als das der Zigeuner. Man
muß zugeben, daß die Juden sehr gefaßt in den Tod gehen - sie
stehen sehr ruhig -, während die Zigeuner heulen, schreien und
sich dauernd bewegen, wenn sie schon auf dem Erschießungsplatz
stehen. Einige sprangen sogar vor der Salve in die Grube und
versuchten, sich tot zu stellen.

Anfangs waren meine Soldaten nicht beeindruckt. Am 2. Tage jedoch
machte sich schon bemerkbar, daß der eine oder andere nicht die
Nerven besitzt, auf längere Zeit eine Erschießung durchzuführen.
Mein persönlicher Eindruck ist. daß man während der Erschießung
keine seelischen Hemmungen bekommt. Diese stellen sich jedoch
ein, wenn man nach Tagen abends in Ruhe darüber nachdenkt.

                                               W a l t h e r
                                               Oberleutnant




Quellen:

  1. Poliakov/Wulf
    Externer LinkDas Dritte Reich und seine Diener
    Wiesbaden,1989, S. 353f
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