21.10.1938

Erledigung der Rest-Tschechei

Weisung des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht

Geheime Kommandosache
Berlin, den 21. Oktober 1938

OKWL Ia Nr. 236/38 g. Kdos. Chefs.

1. Die künftigen Aufgaben der Wehrmacht und die sich daraus ergebenden Vorbereitungen für die Kriegsführung werde ich später in einer Weisung niederlegen.

Bis zum Inkrafttreten dieser Weisung muß die Wehrmacht jederzeit auf folgende Fälle vorbereitet sein:

1. Sicherung der Grenzen des Deutschen Reiches und Schutz gegen überraschende Luftangriffe,

2. Erledigung der Rest-Tschechei,

3. Inbesitznahme des Memellandes.

2. Erledigung der Rest-Tschechei

Es muß möglich sein, die Rest-Tschechei jederzeit zerschlagen zu können, wenn sie etwa eine deutsch-feindliche Politik betreiben würde.

Die hierfür von der Wehrmacht zu treffenden Vorbereitungen werden ihrem Umfange nach erheblich geringer sein, als s. Z. für "Grün"; sie müssen dafür aber, unter Verzicht auf planmäßige Mobilmachungsmaßnahmen, eine ständige und wesentlich höhere Bereitschaft gewährleisten. Organisation, Gliederung und Bereitschaftsgrad der dafür vorgesehenen Verbände sind schon im Frieden derartig auf Über-fall abzustellen, daß der Tschechei selbst jede Möglichkeit planmäßiger Gegenwehr genommen wird. Das Ziel ist die rasche Besetzung der Tschechei und die Abriegelung gegen die Slowakei. Die Vorbereitungen müssen so getroffen werden, daß gleichzeitig die Grenzsicherung "West" durchgeführt werden kann.

Die Aufgaben für Heer und Luftwaffe sind im einzelnen folgende:

A. Heer.

Die der Tschechei naheliegenden Einheiten und einzelne motorisierte Verbände sind für einen überfallartigen Angriff vorzusehen. Ihre Zahl richtet sich nach den der Tschechei verbleibenden Kräften; schneller und durchschlagender Erfolg muß gewährleistet sein. Der Aufmarsch und die Vorbereitungen für den Angriff sind zu bearbeiten. Die nicht gebrauchten Kräfte sind so bereit zu halten, daß sie je nach Lage entweder für Grenzsicherung eingesetzt, oder der Angriffsarmee nachgeführt werden können.

B. Luftwaffe.

Durch frühzeitiges Ausschalten der tschechischen Luftwaffe ist der rasche Vormarsch des eigenen Heeres zu gewährleisten. Hierfür ist zunächst der überfallartige Einsatz der grenznahen Verbände aus den Friedensstandorten heraus vorzubereiten. Inwieweit hierzu noch stärkere Kräfte erforderlich werden, kann erst die Entwicklung der militärpolitischen Lage in der Tschechei ergeben.

Daneben ist der gleichzeitige Aufmarsch der übrigen Angriffskräfte gegen Westen vorzubereiten.

(Teil 3 hier ausgelassen)

gez. Adolf Hitler für die Richtigkeit Keitel

Siehe auch:

Quelle:

  1. Michael Freund
    Weltgeschichte der Gegenwart in Dokumenten (1), S. 302ff
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