Der Korherr-Bericht

Begleitschreiben

Der Inspekteur für Statistik
Tgb.Nr. 48/43 geh.Rs.

Berlin W 35, 19.4.1943
Potsdamer Straße 61

[Stempel: Geheime Reichssache]

SS-Obersturmbannführer Dr. B r a n d t
Pers.Stab Reichsführer-SS
B e r l i n

Lieber Pg. B r a n d t !

Mein kürzlicher Bericht über die Endlösung der Judenfrage mit 16 Seiten Umfang war von mir zur Berichtung am den RF erstellt worden, wie mir der RF mündlich befohlen hatte.

Gemäß dem neuem Befehl des Reichsführers von 1.4.1943 an den Chef der Sicherheitspolizei und den SD zur Erstellung eines gekürzten Berichts zur Vorlage an den Führer mit eindeutiger Bilanz habe ich vor einigen Tagen dem Reichssicherheitshauptamt den in Abschrift beifolgenden Bericht von 6 1/2 Seiten zur Einarbeitung in seinen Gesamtbericht zugeleitet.

Ich darf dazu, falls der RF nicht ganz einverstanden sein sollte, bemerken, Eine eindeutige Bilanz für einen festen Zeitraum für das ganze heutige Reich läßt sieh trotz allen vergossenen Schweißen nicht erstellen. Ich habe darum neben einer Gesamtbilanz mit wechselndem Anfangszeitpunkt verschiedene Teilbilanzen gebracht. Die vorhandenen verschie- denen Anfangs- und Schlußzahlen differieren z.T. um hunderttausende von Juden. Die vorhandenen Juden lassen sich auch mit den vorhandenen Unterlagen nicht, wie es wünschenswert wäre, nach Juden Im Arbeitseinsatz, in KL's, In Altersghetto, in privilegierter Mischehe teilen, sodaß der verbleibende Rest sofort für die Evakuierung zur Verfügung steht. Sowohl beim Arbeitseinsatz wie in den KL's lassen die bisherigen Unterlagen keine zuverlässigen Schlüsse bezüglich der räumlichen Zugehörigkeit der Juden (von der Staatsangehörigkeit abgesehen) zu. Darum mußte ich hier eine eindeutige Bilanz vermeiden, doch geben die Zahlen an sich einen brauchbaren Anhaltspunkt.

1 Anlage g.Rs.
H e i l H i t l e r

Quelle:

  1. Léon Poliakov/Joseph Wulf, Das Dritte Reich und die Juden,Ullstein 33036, S. 240ff.

Der Korherr-Bericht

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